Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

waren von den erwähnten beiden Vereinen eingerichtet; 17 Sanitäts⸗
kolonnen mit 709 Mitgliedern aus den Bewohnern der Stadt
und des Landkreises Saarbrücken waren schon in Friedenszeiten
ausgebildet worden. Zur Aufnahme und Pflege der Verwundeten
standen in Stadt und Landkreis 34 Pflegestätten, die zu
7 Reservelazaretten vereinigt wurden, mit 4150 Betten bereit.
Da zahlreiche Lazarette in der Stadt untergebracht waren,
so ergab sich schon bald die Notwendigkeit, für eine würdige Ruhe—
stätte verstorbener Krieger zu sorgen. Auf dem neuen Zentral⸗
friedhof an der Metzer Straße wurde deshalb ein Ehrenfriedhof
angelegt und eine Einsegnungshalle in würdiger Form errichtet.
Zahlreiche Nähschulen wurden eingerichtet, in denen fleißige
Frauen und Mädchen Wäsche für Verwundete anfertigten. An
die im Felde siehenden Krieger wurden, besonders zu Weihnachten,
Liebesgaben gesandt. Auch der in Kriegsgefangenschaft geratenen
Soldaten wurde mit Liebe gedacht.
Im Januar 1915 wurde von dem Stadtverordneten Dr.
Bretschneider der Kriegerfürsorge-Verein gegründet zur Unter⸗—
stützung der vom Kriege betroffenen Bürger. Viele Kriegsbe—
schädigte wurden in besonderen Schulen zur Tätigkeit in anderen
Berufen angeleitet. In Genesungsheimen fanden erholungsbedürftige
Krieger freundliche Aufnahme. Auf diesen Gebieten machten sich Berg⸗
rat Flemming und Konsistorialrat Müller besonders verdient.
So haben die Saarstädte ihrem alten Ehrenkranz von 1870
ein neues Ruhmesblatt eingefügt. Der Krieg wurde bald auch
für alle Kreise der Bevölkerung fühlbar, da die ausbleibende
Zufuhr an Brotgetreide zur Beschränkung des Brotwwerbrauchs und
zur Einführung besonderer Brotkarten nötigte, einer Maßregel,
die zwar unangenehm empfunden wurde, aber in der Folge sich
als sehr segensreich erwiesen hat, indem sie uns das „Durchhalten“
während der englischen Nahrungsmittelsperre ermöglichte. Für jede
erwachsene Person wurden wöchentlich 1750 Gr. Brot oder 1200
Gr. Mehl, für Kinder, die nach dem 1. April 1914 geboren waren,
die Hälfte dieses Gewichts bestimmt und die Bereitung der Back⸗
waren genau geregelt. Durch besondere Kriegsämter wurde auch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.