Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

122 —

Johanniter, Maltheser, Diakone und Diakonissen, barmherzige
Brüder und Schwestern, Verwundete, freiwillige Pfleger und
Schlachtenbummler drängten sich dort in buntem Gewühl. Hier
war Kaffeeküche und Verpflegungsstation eingerichtet, aus der
bald verwundete Krieger, bald aus Frankreich vertriebene Deutsche,
bald französische Gefangene, bald Ersatztruppen, meist Landwehr—
leute, die nach Frankreich nachrückten, gespeist und erquickt wurden.
Dazwischen kamen große Proviant- und Munitionszüge, sodaß der
Privatgüterverkehr eine Zeit lang völlig stockte. Die Saarbrücker
Bahn hat im Jahre 1870 nicht weniger als 624 835 Militärpersonen
und 31 295 Pferde befordert.
Die Verkehrsstockung und der Stillstand vieler Geschäfte
wirkte auf die Bevölkerung der Städte in empfindlichster Weise
zurück. Gerade der kleine Mittelstand hatte in den schweren
Tagen große Opfer gebracht und sah sich nun bei der herrschenden
Teuerung in Not versetzt, ohne doch die öffentliche Mildtätigkeit
in Anspruch nehmen zu wollen. Zudem richteten bösartige
Krankheiten, wie Ruhr, Typhus und Pocken, große Verheerungen
an, und die Zahl der Todesfälle erreichte eine erschreckende Höhe.
Auch kam gar manche betrübende Botschaft von Frankreichs
Schlachtfeldern, sodaß nur wenige Häuser von Trauer verschont
blieben. Doch es war ja eine große Sache, für die man litt, und
die Nachrichten von den glänzenden Siegen hoben die Herzen
wieder. Nachdem die Kunde von dem großartigen Waffenerfolge
bei Sedan sich verbreitet hatte, beschlossen die Stadtverordneten
beider Städte am 10. September, in einer Adresse an den König
den Gefühlen der Dankbarkeit für die rasche Befreiung des
vaterländischen Bodens von dem Feinde und der hohen Bewunderung
für die glänzenden Siegestaten des heldenmütigen Heeres Ausdruck
zu geben.

Die Zahl der Verwundeten in den Städten verminderte sich
allmählich. Mitte September lagen in Saarbrücken in 12 Lazaretten
noch 481 Deutsche und 112 Franzosen; in den Hospitälern des
Kreises, die zusammen 1440 Betten zählten, befanden sich 909
Deutsche und 168 Franzosen. Bei ihrer Pflege waren 54 Ürzte,
143 Diakonissen und barmherzige Schwestern, 10 andere Pflegerinnen,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.