Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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Doch hier lag bald alles voll. Nun ging der Leidenszug nach dem
städtischen Hospital, das, kaum fertig eingerichtet, schon am 2. August
14 verwundeten 40ern Aufnahme gewährt hatte. Hier standen
ungefähr 70 Betten, aber in kurzem waren mehr als 260 Ver—
wundete untergebracht, und die leitenden Ärzte Dr. Jordan und
Dr. Schmidtborn hatten alle Hände voll zu tun. Selbst die Gänge
und der Hausflur waren mit Verwundeten und Sterbenden bedeckt,
die zum größten Teil nur auf Strohlager gebettet waren. Da
immer noch mehr Hilfsbedürftige ankamen, so wurden in aller
Eile die Ulanen-Kasernen und die Schulsäle ausgeräumt, der Boden
mit Stroh bedeckt und die verwundeten Krieger darauf gelegt.
Doch noch immer reichte der Raum nicht aus, zudem fehlte es an
Ärzten und Pflegern sowie an Verbandzeug. So tätig auch die
Vereine in den Städten gewesen waren, auf solches Massenelend
hatten sie sich nicht einrichten können. Jetzt zeigte es sich, daß die
Saarbrücker und St. Johanner das Herz auf dem rechten Flecke
hatten: sie brachten die Verwundeten, welche kein Obdach hatten,
in ihre Häuser und richteten ihnen bequeme Lagerstätten ein,
während sie selbst und ihre Angehörigen sich aufs äußerste behalfen.
Die ganze Nacht hindurch dauerte der Zuzug der Verwundeten,
da Turner mit Fackeln das Schlachtfeld absuchten; und doch mußten
viele unter Qualen die Nacht unter freiem Himmel zubringen.
Mehr als 3000 Verwundete wurden in den Städten untergebracht;
jedes Haus war ein Spital, jede Frau, jedes Mädchen eine
barmherzige Schwester; einzelne Familien pflegten 8 bis 10 Ver⸗
wundete. Dazu kam die Last der Einquartierung. Am 7. und
8. August war die ganze 5. Division, an 12000 Mann, in den
Städten einquartiert; auf einzelne Häuser kamen 30 bis 40 Mann.
Dabei herrschte große Teuerung, und die Bewohner hatten selbst kaum
etwas zu essen. Immer neue Truppenmassen wälzten sich heran;
vier Armeekorps passierten in den nächsten Tagen unsere Städte.
Außerdem waren an 500 französische Gefangene in die Stadt gebracht
worden, die in der Reitbahn ein vorläufiges Unterkommen fanden.
In den nächsten Tagen trat eine Erleichterung ein, indem
die Leichtverwundeten fortgeschafft wurden und zugleich von allen
Seiten Hilfe kam. Von Trier fuhren noch am Abend der Schlacht
            
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