Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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die in der Nähe einschlugen, verscheucht. Aber das furchtbare
Schauspiel zog viele immer wieder auf die gefährlichen Stellen.
In angstvoller Spannung beobachtete man den wechselvollen Kampf:
wie die Unsern angriffen und zurückgedrängt wurden, wie frische
Bataillone über das offene Feld vorrückten und, noch ehe sie die
Höhe erreichten, Tote und Verwundete zurückließen. Diesen, den
Verwundeten, widmeten sich jetzt die Bürger und ihre Frauen mit
liebevoller Fürsorge. Männer, Frauen, Knaben und Mädchen
kamen mit Wasserbütten, Eimern voll Kaffee und Flaschen mit
Wein und Limonade, um die lechzenden zu laben; in aller Eile
wurden noch Binden gefertigt, Charpie gezupft und alles zur Auf—⸗
nahme der armen Opfer des männermordenden Kampfes vorbe—
reitet. In den Städten wurde ausgerufen: Wer Fuhrwerk hat,
möge es mit Stroh belegen und hinausfahren, um Verwundete
zu holen. Die Witwe Jakob Bruch aus St. Johann war eine
der ersten, die hinauseilten. Sie ließz zwei kräftige Pferde an—
schirren, belud den Wagen mit allerlei Erfrischungen und fuhr selbst
aufs Schlachtfeld. Unerschrocken ging sie in die Gefechtslinie vor,
labte die Verwundeten und nahm schließlich den schwerverwundeten
Hauptmann von Oppen mit nach Hause, den sie bis zu seinem
Tode pflegte. Auf der Metzer Straße und der Spichererbergstraße
bewegte sich der Zug der Verwundeten, die von Bürgern geführt
wurden oder auf Bahren und Wagen lagen, den Städten zu.
Und mit den Männern wetteiferten die Frauen. „Ganze Wagen
voll Frauen und Mädchen“, erzählt der Kriegsberichterstatter Hans
Wachenhusen, „fuhren auf das Schlachtfeld, unbesorgt um die
überall einschlagenden Kugeln, um die Verwundeten verbinden zu
helfen, ihnen Erfrischungen zu reichen und sie aus dem Kampfe
zu tragen. Es war ein rührendes Bild, alle diese teilnahmevollen
Leute zu sehen, wie sie, die eigene Sicherheit verachtend, sich in
den Kugelregen wagten. Ich selbst sah zwei Mädchen, die einen
Schwerverwundeten auf ihren Armen aus dem Kampfe trugen,
ihn mit ihren Tüchern verbanden und dann erst zum Verbands—
platze schafften.“
Die ersten Verwundeten wurden in das Militärlazarett in
Saarbrücken und in die 6G9er-Kaserne auf dem Rodenhof gebracht.
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