Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

Kunde von dem Siege bei Weißenburg, und in der folgenden Nacht
zogen sich die Franzosen auf die Spicherer Höhen zurück. Am
Morgen des 6. August rückte die Spitze der Kavallerie-Division
von Rheinbaben in den Städten ein und suchte die französische
Stellung aufzuklären. Die Spicherer Höhen zeigten sich noch von den
Franzosen besetzt; doch schien der Feind im Abzuge. Gegen
11 Uhr kam auf der Lebacher Straße der Vortrupp der 14. Divi—
sion unter Generalleutnant von Kameke anmarschiert: eine Abteilung
15. Husaren, das 39. Infanterie-Regiment und eine Battlerie vom
7. ArtillerieRegiment. Unter den Klängen des Preußenliedes und
der Wacht am Rhein zogen sie durch St. Johann und Saarbrücken
dem Feinde entgegen. Mit Hurra begrüßten die Bürger die
schmucken Krieger, doch sie wußten auch, daß mit Hurra allein es
nicht getan sei. Heiß brannte die Augustsonne; die Truppen
waren erhitzt von dem anstrengenden Marsche und bedurften der
Labung. Als ob ein Wille die Masse beseelte, brachte Jung und
Alt, Reich und Arm, was ein jeder hatte, zur Erquickung der
durstigen Landsleute herbei. Viele Hunderte drängten sich in die
Marschkolonne und reichten Wasser, Wein, Kaffee, Brot und
Zigarren. Im Marsch führten die Soldaten die Becher an die
trockenen Lippen, schoben Brot und Zigarren in den Brotkbeutel,
und unaufhaltsam ging es weiter. So zogen die 39 er den Hahn
hinauf, wo die 6. Kürassiere und die Braunschweiger Husaren
abgesessen auf der Metzer Straße hielten. Kaum hatten die ersten
die Höhe erreicht, so flog donnernd ein feindlicher Gruß von den
Spicherer Höhen herüber, und die Schlacht begann, in der
deutsche Tapferkeit und deutsche Kameradschaft sich glänzend be—
währen sollte.
Während der Donner der Kanonen immer heftiger wurde und
Regiment auf Regiment in steigender Hast die Straßen durch—
zog, erwarteten die Bürger in banger Sorge den Ausgang des
Kampfes, der für sie verhängnisvoll werden konnte. Auf dem
Exerzierplatz und an der Lerchesflur, im Bereich der feindlichen
Geschütze, standen so dichte Gruppen von Zuschauern, daß ein höherer
Offizier sie warnte, der Feind könne sie leicht als Reservetruppen
ansehen, und in der Tat wurden sie mehr als einmal durch Granaten,
            
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