Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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ein Briefkasten in St. Johann angebracht, — bis dahin
hatten die Bewohner der Stadt ihre Briefe auf die Post nach
Saarbrücken tragen müssen — und dies Ereignis schien wichtig
genug, durch ein Zweckessen in dem Gasthause „jum Bären“1)
gefeiert zu werden; vier Jahre später entstand vor dem Untertor
von St. Johann ein Bahnhof mit stetig wachsendem Versonen⸗
und Güterverkehr. Zu diesem als dem Ursprunge eines neuen
Lebens drängte nun die städtische Entwickelung hin.
Aus dem alten Mauerring (zwischen Fürstenstraße, Gerber⸗
straße, Bleichstraße, Schiller-Allee und Schillerstrafßze) war die Stadt
bis dahin nur wenig herausgewachsen. Unter Fürst Wilhelm
Heinrich waren um das Jahr 1760 die Stadtgräben trocken gelegt,
die Zugbrücken abgebrochen, das Glacis eingeebnet und mit
Kastanien bepflanzt worden, 1763 hatte mit den Häusern von
Thomas Köhl und Samuel Karcher die untere Vorstadt ihren
Anfang genommen, 1792 waren die ersten Häuser in der oberen
Vorstadt an der Straße nach dem Halberg von Friedrich Eichacker,
Ph. Ludwig Bruch („zum Hirsch“) und Jakob Pistorius gebaut
worden. 1810 waren die Stadttore abgebrochen worden, doch
wir haben gesehen, daß noch im Jahre 1815 St. Johann wie
eine Festung verteitigt wurde.
Eine große Umwälzung auf wirtschaftlichem Gebiete trat mit
der Eröffnung der Saarbrücker Bahn am 16. November 1852
ein, die von Stieringen über Saarbrücken und Neunkirchen nach
Bexbach führte und so die französische Ostbahn Paris — Metz —
Stieringen mit der pfälzischen Ludwigsbahn verbindend die
wichtige Verkehrslinie Paris — Saarbrücken — Ludwigshafen bildete.
Es war für die Stadt St. Johann von großer Bedeutung, daß
der Bahnhof auf ihrem Gebiet angelegt wurde. Man erzählt,
daß die Saarbrücker reichen Leute sich die Anlage des Bahnhofs
als zu geräuschvoll verbeten hätten. Sicher ist, daß strategische
Gründe für das rechte Saarufer den Ausschlag gaben, eine Ent⸗
scheidung, die durch die Erfahrungen in dem Kriegsjahre 187071
gerechtfertigt wurde.

1) Später Hotel Guepraite, jetzt das Markthaus.
            
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