Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

— 163 —

10. Die Revolution von 1848.

An der Volksbewegung, die in dem Jahre 1848 ausbrach,
beteiligten sich die Bürger von St. Johann besonders lebhaft.
Zu dem Vorparlament in Frankfurt wurde der Siadtverordnete
Friedrich Pabst aus St. Johann als Deputierter entsandt. Am
26. März 1848 wurde auf dem Marktbrunnen von St. Johann
(Bild S. 110) eine schwarzrot⸗goldene Fahne aufgesteckt; der Gemeinde—
vorsteher Lucas begrüßte das Banner als das Symbol der Freiheit,
Einheit und Stärke und brachte dem freien Deutschland ein Hoch;
in ähnlichem Sinne sprach der Advokat-Anwalt Bonnet. Landtags—
abgeordneter war der Gutsbesitzer Ludwig Heinrich Röchling aus
St. Johann; an ihn richtete am 31. März eine Bürgerversammlung
eine Adresse, in der Aufhebung der Zensur und Reform des
Wahlrechts (Wahlrecht für jeden Bürger im Alter von 25 Jahren,
Wählbarkeit mit 30 Lebensjahren) gefordert wurde. Am 10. April
fand eine zahlreich besuchte Bürgerversammlung in St. Johann
statt. Diese richtete eine Adresse an das Staatsministerium, in der
freie Wahl für das Frankfurter Parlament gefordert wurde. In
dieser Adresse findet sich der Satz: „Wir sind die Bürger zweier
Städte, die sich bisher von jeder tumultuarischen Bewegung frei⸗
gehalten haben, und deren Streben dahin geht, sich auch ferner
davon freijuhalten.“ In das Frankfurter Parlament wurde
der Anwalt Dietzsch, in die preußische Nationalversammlung der
Landrat Hesse und zu seinem Stellvertreter Dr. Jordan gewählt.
Bei einem Fackelzug, der den Abgeordneten gebracht wurde, hielt
Karl Karcher junior aus St. Johann die Ansprache.
Durch Gemeinderatsbeschlußz vom 22. Mai wurde im Anschluß
an eine kgl. Verordnung die mißliebige Mahl- und Schlachtsteuer
aufgehoben und durch eine Einkommensteuer ersetzt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.