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Die Nachricht von dieser unerwarteten Wendung rief in
Saarbrücken und St. Johann große Bestürzung und Empörung
hervor. Die Bürger hielten erregte Versammlungen ab und be—
schlossen, eine Abordnung an den Generalgouverneur nach Mainz
zu schicken. Doch dieser konnte ihnen wohl Teilnahme zeigen,
aber keine Abhilfe versprechen, da an den Friedensbedingungen
nichts mehr zu ändern war. Auch in Deutischland regte sich
allgemeine Teilnahme. „Wir klagen um unsere Brüder“, schrieb
Josef Görres im Rheinischen Merkur, „und begraben den Volks⸗
sinn im Augenblick seiner Auferstehung. Weh uns, wenn unser
heiligstes Gefühl nicht mehr gehört wird! Führer und Leiter von
Deutschlands Völkern, stoßt Euere Kinder nicht wie Rabenmütter
von Euch!“ Auch deutsche Dichter versagten den verratenen
Saarbrückern ihre Teilnahme nicht. Stägemann sprach in einem
Gedicht von der Thränenflut der Saar, und Friedrich
Rückert dichtete das rührende Lied „Arm Saarvpögelein“.
Frankreich ergriff wieder Besitz von unserm deutschen Grenz⸗
lande, das mit dem Moseldepartement vereinigt und in die durch
die Saar geschiedenen Kantone Saarbrücken und St. Johann
geteilt wurde. Der Unterpräfekt von Saargemünd übernahm die
Verwaltung des abgetretenen Gebietes und verordnete, daß fortan
kein Akt in deutscher Sprache geschrieben werden dürfe. Der
Oberbürgermeister Laukhardt wurde abgesetzt und der frühere
Maire Bruch wieder eingesetzt; doch auch er war mit der Wendung
der Dinge nicht zufrieden und legte bald sein Amt nieder, um
wieder Friedensrichter zu werden; an seine Stelle trat der in Nancy
geborene Franzose Rupied. Die Beamten mußten dem König
Ludwig XVIII. den Treueid leisten; die französischen Steuern
(droits réunis) und das Obtroi (indirekte Verbrauchssteuer)
wurden wieder eingeführt; die Douaniers besetzten die nunmehrige
deutsche Grenze und erschwerten den Verkehr mit dem alten
Vaterlande.
Es war ein Glück für die deutschgesinnte Bevölkerung, daß
Napoleon den Frieden nicht hielt. Nachdem er die ihm zugesprochene
Insel Elba verlassen hatte und am 1. März 1815 in Südfrank⸗
reich gelandet war, fielen ihm die Franzosen wieder zu, und auch