Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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blieben, und fuhren am andern Morgen nach Aschaffenburg weiter.
Beim Einfahren in die Stadt sagte der Fürst seufzend: „Diesen
Ort werde ich nicht lebend verlassen“, eine Ahnung, die sich bald
erfüllen sollete. Am 2. März 1794 starb er im Alter von 49
Jahren. Fürst Karl Wilhelm bot eine Ruhestätte in der fürstlichen
Gruft zu Usingen an, und das Anerbieten wurde von dem Erb—
prinzen angenommen. Die Leiche kam am 5. März, morgens
2 Uhr, in Usingen an und wurde um 5 Uhr in aller Stille
beigesetzt. Acht Hofhandwerker hoben vor der Kirche den Sarg
vom Wagen auf die Bahre und bedeckten ihn mit einem schwarzen
Leichentuch; dann übernahmen ihn der Stadtschultheif; und 12
Gerichtsschöffen in schwarzen Kleidern und trugen den Sarg in
die Gruft.
Fürst Ludwigs Regierung war dem Lande, das ihm an—
vertraut war, nicht zum Segen geworden. Um gerecht zu sein,
müssen wir sagen, daß er seine Anschauungen von dem Fürsten—
beruf mit einem großen Teile seiner Standesgenossen teilte. Das
Wort Friedrichs des Großen, daß der Fürst der erste Diener des
Staates sei, hatte noch wenig Wurzel in den Herzen der Landes—
herren jener Zeit gefaßt.
Der Erbprinz Heinrich, der noch den Brand des väterlichen
Schlosses hatte mitansehen müssen, wurde als Kavallerieoberst in
die preußische Armee aufgenommen und lebte in der Hoffnung,
in seine Heimat zurückkehren zu können, eine Zeitlang in Kadolzburg
bei Ansbach. Am 27. April 1797 fand er durch einen Sturz
vom Pferde seinen Tod. Mit ihm erlosch das Haus Nassau—
Saarbrücken.
Über die Ereignisse, die sich damals hier abspielten, haben
uns zwei St. Johanner Bürger wertvolle Mitteilungen ge—
macht, Heinrich Gottlieb, der im Jahre 1771 Bürgermeister
von St. Johann war, und Georg Ludwig Firmond,
ein angesehener Kaufmann, wohl der Sohn oder Enkel des
Kirchmeisters von 1727. Er starb am 6. Februar 1810, sein
in einer großen Urne bestehendes Grabmal befindet sich noch auf
dem alten St. Johanner Friedhof auf dem Rotenberg. Die
beiden Chroniken hat Professor Dr. Krohn im 7. Heft der
            
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