131 —
Am 29. September, an demselben Tage, an dem die
preußischen Truppen auf den Höhen von St. Johann erschienen,
verließ König Friedrich Wilhelm II. die Armee, um sich nach
Polen zu begeben, und mit ihm schied die treibende Kraft. Der
Herzog von Braunschweig, der jetzt allein den Oberbefehl führte,
war jedem energischen Vorgehen abhold. Am 7. Oktober drängten
die Franzosen die preußischen Schützen auf dem Ludwigsberg mit
Übermacht zurück und steckten das Schlößchen in Brand. Am
Abend desselben Tages wurde auch das schöne Schloß in Saar—⸗
brücken ein Opfer ihres Vandalismus.
Sieben Wochen blieben die preußischen Truppen untätig bei
Saarbrücken stehen, indes in den Städten die Willkür der Franzosen
ihren höchsten Grad erreichte. In Selbstsucht und Hader hatten
die Mächte den günstigen Moment verscherzt, während in Frank—
reich die nationale Begeisterung für das bedrohte Vaterland erwachte,
der Konvent die waffenfähige Jugend ins Feld rief und Lazarus
Carnot die Mittel der nationalen Verteidigung organisierte.
Am 16. November abends zogen die Preußen nach St.
Ingbert und Bildstock ab, überschritten, von den Franzosen
beunruhigt, die Blies und lagerten sich bei Waldmoor, von wo
der weitere Rückzug nach Kaiserslautern ging. Hier wurden zwar
die Angriffe der Franzosen am 30. November glänzend zurück—
geschlagen, aber in den Kämpfen um die Weißenburger Linien
wurden im Dezember die Osterreicher zurückgedrängt, Landau
entsetzt, und so war der unter glänzenden Aussichten begonnene
Feldzug für die Verbündeten verloren.
Und nicht besser erging es im nächsten Jahre (1794).
Belgien ging den Osterreichern verloren, Trier wurde geräumt, die
Feinde zogen in Aachen, Köln, Bonn und Koblenz ein. Die
preußischen Truppen fochten noch zweimal ruhmvoll bei Kaisers—
lautern, wo der Oberst von Blücher sich durch zahllose Husaren⸗
stückchen bei den Franzosen gefürchtet machte, aber Preußen, durch
einen Aufstand in Polen beschäftigt, war des Krieges mit zwei
Fronten müde und knüpfte bald Verhandlungen mit Frankreich
an, die am 5. April 1795 zum Frieden von Basel führten.
9*