Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

129 —

Doch es schien, als sollte das Land bald von seinen Be—
drängern befreit werden. Nachdem Mainz am 22. Juli gefallen
war, zog sich der Krieg in unsere Gegend. Während der
österreichische General Wurmser die Weißenburger Linien angreifen
sollte, setzten sich die Preußen nach der Saar zu in Bewegung,
um die linke Flanke der französischen Aufstellung zu umgehen, die
von Weißenburg über den Kettrich (bei Pirmasens), Neuhornbach,
Blieskastel und St. Ingbert nach Saarlouis sich
erstreckte. Bei Schwarzenacker und Hornbach stand der
General Houchard; ) das Hauptquartier des Generals Kalckreuth
war Mitte August Wiebelskirchen. Die vorgeschobenen Posten
der Franzosen wurden überall zurückgedrängt. Auf dem
Bischmisheimer Berg, dem Eschberg, Schwarzenberg,
Homburg und Ludwigsberg nahmen die Preußen ihre
Vorpostenstellung; eine schwere Batterie wurde auf den Halberg
postiert, welche die feindlichen Geschütze auf dem Winterberg beschoßz?)
und die Schiffbrücke, welche die Franzosen über die Saar geschlagen
hatten, zerstörte. Nun kam es hier zu einem lebhaften Vorpostenkrieg.
In Saarbrücken erwartete man stündlich den entscheidenden
Angriff, der die Städte von ihren Bedrängern befreien sollte.
„Unsere Erlöser aus der republikanischen eisernen Sklaverei nähern
sich, sind nur noch einige Stunden von uns entfernt“, schrieb
Horstmann am 28. September. „Gestern und heut rollt der
Donner der Kanonen ununterbrochen in unserer Nachbarschaft.
Sie glauben nicht, wie angenehm diese sonst so fürchterliche Musik
unseren Ohren ist. Alles ist neubelebt, und das schwächere,
furchtsame Geschlecht, das vor wenig Monaten bei dem Gedanken
einer Beschießung der Stadt ohnmächtig wurde, jauchzet jetzt bei
der Gewißheit; der sicherste Beweis für die Schwere der Bedrängnisse,

1) Beim Durchzug durch St. Johann ließ er im Juli 1793 seine
Truppen in den St. Johanner Fruchtfeldern lagern. Man erzählte, er habe
dies aus Rache getan, weil er als Weißgerbergeselle in St. Johann Prügel
bekommen habe.
2) In dem Winterbergdenkmal sind einige Kanonenkugeln aus jener
Zeit eingemauert, die man bei dem Bau des Denkmals aufgefunden hatte.
9
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.