Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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seinem Vater schlecht stand, wurde freigestellt, in Neunkirchen zu
bleiben; die fürstlichen Kinder sollten mit den Pagen nach Saar—
brücken zurückgehen und dort eine bescheidene Hofhaltung führen.
Nach dem zu erwartenden Abzug der Franzosen sollten die Schlösser
und Gärten gereinigt werden; für etwaigen Schaden, den die
Untertanen anrichteten, sollten diese haften. So verließ den Fürsten
die Hoffnung nicht, daß er bald wiederkehren und seine alte
Herrschaft wieder antreten werde. Die rebellischen Untertanen
sollten dann wohl vor ihm zu Kreuze kriechen. Am 12. Mai
machten die höheren französischen Offiziere in Neunkirchen ihre
Abschiedsbesuche und wünschten dem Fürsten eine glückliche
Badereise.
Zu dieser Zeit war seine Verhaftung bereits befohlen. Tags
zuvor hatten die Repräsentanten des französischen Volkes, welche
zur Moselarmee abkommandiert waren, in Metz den Befehl
unterzeichnet, daß die Gräfin von der Leyen (in Blieskastel),
der Fürst von Nassau-Saarbrücken, seine Gemahlin, seine
Kinder, seine Beamten, Räte und Agenten, weil sie durch ihren
Haß gegen die französische Revolution bekannt seien, verhaftet und
unter sicherem Geleite als Geiseln nach Paris gebracht werden
sollten. Ihre Papiere, Effekten und Möbel sollten versiegelt, ihre
Pferde und ihr Vieh nach Metz gebracht werden.
Die Anklage der französischen Volksvertretung hätte wohl
genügt, um den Kopf Fürst Ludwigs unter die Guillotine zu
bringen. Am Nachmittag des 13. Mai erschienen einige Kommissäre,
von einer starken Abteilung Gensd'armes begleitet, in Saarbrücken.
Sogleich nach ihrer Ankunft riefen sie die sämtlichen Regierungs—⸗
und Kammerräte zusammen und erklärten ihnen, daß Fürst und
Beamte zu Feinden der französischen Republick erklärt seien.
Darauf wurden die Kassen weggenommen, die Regierung und die
fürstlichen Zimmer versiegelt und die Räte unter Bedeckung in
ihre Wohnungen zurückgeschickt. Dann rückten die Gensd'armen
in Begleitung von mehreren Bataillonen und Schwadronen in
zwei Kolonnen über Dudweiler und St. Ingbert nach
Neunkirchen, um den Fürsten gefangen zu nehmen. Doch sie
fanden das Nest leer. Da das schlechte Wetter sich gebessert hatte,
            
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