Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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ausgesprochen und französischer Einmischung in die inneren Ange⸗
legenheiten fremder Staaten Tor und Tür geöffnet. Am
14. Februar 1793 wurde auf den Bericht Carnots hin die Einver⸗
leibung der Amter Neu-Saarwerden und Harskirchen von dem
Konvent beschlossen, doch schon am 9. Februar waren die Konvents—
kommissare Laporte und Blaux unter Glockengeläute und Böller—
schüssen in Neu-Saarwerden eingezogen und hatten am folgenden
Tage die Bekanntmachung erlassen, daß die Republik Frankreich die
Bewohner der Grafschaft Saarwerden unter ihren Schutz nehmen
und sie von dem Joche ihrer Tyrannen befreien werde. Dasselbe
Schicksal hatte u. a. das Zweibrückische Amt Schaumburg, das bis
1787 zu Frankreich gehört hatte, und die erst 1766 von Frankreich
an Saarbrücken abgetretene Herrschaft Püttlingen. Die Wünsche
der Püttlinger fanden beim Konvent bereitwilliges Gehör, und die
Vorstellungen, die Fürst Ludwig in Paris gegen diese Annexions—
politik erhob, hatten keine Wirkung. Es wurde ihm erklärt, daß
seine Untertanen sich aus eigenem Antrieb für frei erklärt und
die Vereinigung mit Frankreich nachgesucht hätten. Die französische
Nation müsse nach ihren öffentlich ausgesprochenen Grundsätzen
ihnen dazu behilflich sein.

Große Teile der fürstlichen Herrschaft hatten sich schon losgerissen,
als das Geschick den Fürsten selbst ereile. Am 31. Oktober 1792
rückte ein französisches Korps von ungefähr 10,000 Mann unter
dem General Ligneville in Saarbrücken ein und bezog teils Quartiere
in den Städten, teils ein Lager bei Malstatt. Es war ein buntes
Gemisch von Linientruppen, Nationalgarden, Freiwilligen und
einigen Tausend Mann Kavallerie. Der Fürst und die Bevölkerung
taten alles, die ungebetenen Gäste zu befriedigen. Die unzufriedenen
Elemente hoben jetzt das Haupt empor, und es dauerte nicht lange,
so war auf dem Marktplatz in St. Johann die schönste Fichte des
Stadtwaldes als Freiheitsbaum aufgepflanzt. Hier und da erschallte
der Ruf: Vive la Républiquo! und wer keine Kokarde am
Hut trug, war den Mißhandlungen der Franzosen ausgesetzt. Doch
schon am dritten Tage zogen die Franzosen ab, um einen Vorstoß
auf Trier zu unternehmen.
            
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