Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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1. ein langsames Tauwetier vorhergegangen, wodurch sicher
50 des Schnees ruhig fortgeflossen, ehe es ein wenig geregnet.
2. daß die Saar-Brücke sobald eingestürzt ist, da sie dann
dem Gewässer und Eis Luft gemacht, welches sonst unsere Stadt—⸗
mauern, ja unsere Häuser niedergerissen hätte, so daß Menschen
und Vieh umgekommen wären.“
Der Schaden in Häusern, Kellern, Gärten und Wiesen,
welche zum Teil als wie gepflügt vom Eis aussahen, ist leicht zu
ermessen. Man schätzt ihn über viele 1000 Rthlr.
Durch den außerordentlichen Schnee, der seit Anfang des
Jahres gelegen, ist das allgemeine Elend, das ohnedem groß im
Lande war, sehr gewachsen.
Manche armen Leute wären schier Hungers gestorben, und
mußten täglich wohl etliche hundert Bettelleute abgefertigt werden.
Ich glaubte übrigens, daß diese Begebenheit ihren Grund
in der vorjährigen Witterung den ganzen Sommer hindurch hatte.
Denn da hatten wir nicht allein eine ganz ungemeine Dürre
viele Monate hindurch, sondern auch einen sogenannten Rauch
oder täglichen Nebel bei aller dieser Dörrung, welcher vermutlich
aus der Insel Island gekommen und durch den Nordwind zu
uns gebracht worden. Da dann auf die langwierige Dörrung
mußte Nässe folgen und weil der Nordwind unsere hohe Luft mit
Kälte erfüllt, so mußte die Nässe in einem so ungemeinen Schnee
herabfallen.“
Der Chronist Gottlieb berichtet: „Am 1. März erging der
Befehl, daß bei Strafe von 5 Gulden alle Keller ausgeschöpft
werden sollten, was denn auch unter größter Anstrengung geschehen
ist. Im Mai ließ der Fürst der Neugasse gegenüber eine Schiff—
brücke über die Saar anlegen, und mußte jeder, außer wer in
herrschaftlichen Diensten stand, Brückengeld bezahlen, was bei
Bürgern, Bauern und Fremden vieles Murren verursachte. Damit
aber keiner, ohne zu bezahlen, die Schiffbrücke passierte, wurde
auf Befehl des Fürsten eine Schildwache an derselben aufgestellt,
welche nachts die Leute anrufen mußte. Doch machten sich manche
ein Vergnügen daraus, an der Schildwache vorbeizuschleichen und
diese noch zu verhöhnen.“
            
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