Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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folger Ludwigskirche genannt wurde. Von dem sie umge—
benden und von geschmackvollen Häusern umrahmten Ludwigsplatz
bietet sich durch die von dem Fürsten angelegte Neugasse, die jetzt
nach ihm Wilhelm⸗Heinrichstraßze genannt wird, auf die alte Kirche
von St. Johann ein hübscher Ausblick, dem freilich der Mittelbau
des Gymnasiums zum Opfer fiel. Diese fürstliche Residenz erschien
dem jungen Goethe, der im Jahre 1770, zwei Jahre nach dem
Tode des Fürsten Wilhelm Heinrich, Saarbrücken von Straßburg
aus besuchte, als ein Lichtpunkt in dem felsig-waldigen Lande.
(Wahrheit und Dichtung, 10. Buch). Wilhelm Heinrich hat die
Städte mit neuem Leben erfüllt. Die Kaufmannschaft vereinigte
er zur Förderung des Handels in der Krahnengesellschaft, rief
einen regelmäßigen Postverkehr ins Leben und legte durch das
„Allgemeine Wochenblatt“ den Grund zu der Saarbrücker Presse.
Mit der Bürgerschaft verkehrte er freundschaftlich und schenkte
jeder der beiden Städte 1000 Taler als Stipendium, aus dessen
Zinsen bedürftige Bürgersöhne zur Fortsetzung ihres Studiums
oder zur Erlernung eines Gewerbes unterstützt werden sollten.
Die Zahl der Bewohner hat sich unter seiner Regierung wohl
verdoppelt. Im Jahre 1779 zählte man in Saarbrücken 3000,
in St. Johann 1500 Einwohner.
Der Sohn und Nachfolger Wilhelm Heinrichs, Fürst Ludwig,
ist am meisten durch seine zweite Ehe mit einem Bauernmädchen
aus Fechingen bekannt geworden, das er zur Reichsgräfin von
Ottweiler und Fürstin von Dillingen erhob. Ein weiteres auf—
fallendes Ereignis war die Vermählung des 11 jährigen Erbprinzen
mit der 7 Jahre älteren französischen und katholischen Prinzessin
von Montbarey. Egoistischen politischen Gründen opferte er das
Lebensglück seines Sohnes. Er mußzte aber durch ein Hausgesetz
anerkennen, daß im Falle der Religionsveränderung eines künftigen
Landesherrn die evangelisch-lutherische Religion als die herrschende
Landesreligion fortbestehen sollte. Seine besondere Freude waren
seine Soldaten, die der Fürst auch selbst exerzierte. Diese Lieb—
haberei führte einen Streitfall des Fürsten mit den Bürgern von
St. Johann herbei. Um seinen Soldaten eine angemessene
Beschäftigung zu geben, wollte der Fürst die Tore der Städte
            
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