Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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modernen Bedürfnissen angepaßzten Gewande hat neu erstehen
lassen.“

„Die bei diesem Anlaß angestellten Nachforschungen über
die Baugeschichte der Kirche und sonstige bemerkenswerte Daten
haben aus dem Archiv der Gemeinde die in merkwürdiger gravitätisch—
kleinstaatlicher Schnörkelschrift gehaltene detaillierte Baurechnung
der Kirche zu Tage gefördert.“
„Es mutet den Menschen der heutigen Zeit fremdartig,
eigentümlich und doch zugleich fast anheimelnd an, aus diesen ver⸗
gilbten Blättern mit ihren kunstvoll gemalten und mit allen
möglichen Buchstaben-⸗Ornamenten verzierten Schriftzügen zu sehen,
wie wenig offenbar jene fernen Tage noch berührt gewesen sind
von der nervösen Hast und dem Jagen und Drängen, wodurch
unsere Zeit so unerfreulich charakterisiert erscheint. Die alten Bücher
reden zwischen den Zeilen eine höchst interessante und wohltuende
Sprache von der schönen Ruhe, die damals in Saarbrücken
geherrscht haben muß. Der Mann, der mit so viel rührender
Sorgfalt und mit so viel Zeitaufwand die alte St. Johanner
Kirchbau⸗Rechnung, ein bescheidenes kalligraphisches Kunstwerk in
seiner Art, aufstellte, hat sicher noch keine Nerven gehabt. Und
wenn wir ihn als Repräsentanten des Saarbrücker Bürgertyps
von damals ansehen dürfen, dann erscheint die Frage naheliegend,
ob nicht die Menschen jener Zeit im kleinen Rahmen der stillen
Residenz auf ihre Weise doch glücklicher gewesen sind als die
heutigen Großstädter, die Tag und Nacht das laute Getriebe der
gewaltig wachsenden Zentrale südwestdeutschen Wirtschaftslebens
umwogt.“
Die hier erwähnte Erneuerung der alten Kirche fand in den
Jahren 1912/13 statt und wurde mit einem Aufwand von 40000 Mk.,
von denen mehr als 5000 M. durch freiwillige Spenden aufgebracht
wurden, durchgeführt. Der innere Anstrich wurde vollständig erneuert,
die Orgel wurde in Stand gesetzt und eine Zentralheizung eingebaut.
Die Wiedereinweihung fand am 4. Mai 1913 statt. Die Weiherede
hielt der Generalsuperintendent der Rheinprovinz Klingemann, die
Festpredigt Pfarrer Reichard, die Schlußliturgie Pfarrer Lic. Ulrich.
            
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