— 104 —
Den Glöckner zahlt zum Teil das Stift oder die Kirch, zum Teil
die Stadt. Die Orgel hat die Stadt erbaut, zahlt auch den
Orgelschlager; den Balgdrücker zahlt das Stift, die Reparationen
zahlt die Kirch. Die Sakristei ist von der Kirch erbaut und
erhalten, die Stadt aber hat das Bauholz, auch alle Ab- und
Zufuhren darzu getan, fourniert (liefers) auch das Holz zum
Heizen, die Kirch aber zahlt den Einheizer. Die Uhr und Uhr—
richter und das ganze Uhrwesen zahlt die Stadt. Die Reparationen
und Flichkarbeit an Stühl und Fenster, wie auch das Plätten zahlt
die Kirch. Das Pfarr⸗ und Schulhaus hat die Stadt erbaut und
unterhält es auch.“
Die Eigenart der Kirche hat Pfarrer Reichard mit folgenden
Worten gewürdigt:
„Als Denkmal evangelisch-kirchlicher Vergangenheit von St.
Johann erscheint allein die Alte Kirche.“
„Mitten hineingestellt in die Altstadt mit ihren engen Gassen
und Winkeln, ein überaus einfacher Bau ohne irgend welche
architektonische Besonderheit oder charakteristische Stil-Eigentümlichkeit,
vermag sie sich mit anderen Gotteshäusern in Saarbrücken unter
künstlerischen Gesichtspunkten nicht zu messen.“
„Die Alte Kirche hat, wie man es fast ausdrücken möchte,
das Mißgeschick gehabt, zehn Jahre zu früh gebaut zu sein. Zehn
Jahre nach Beginn des Baues erschien, von dem kunstsinnigen
Landesherrn berufen, Joachim Stengel im Saarbrücker Land.“
„Wäre die Errichtung der Alten Kirche in seine Schaffens—
periode gefallen, so stände heute an Stelle des mehr als nüchternen
Gebäudes ohne Zweifel als würdiges Pendant zur Ludwigskirche
eine schöne, in Stengels feiner Architektonik gehaltene Kirche.“
„Indes der pietätvolle Sinn der Gemeinde weiß sein altes
historisches Gotteshaus auch in seiner schlichten Gestalt zu schätzen;
und die dankbare Erinnerung an vergangene Zeiten, das liebevolle
Verständnis für die im Bild der Alten Kirche überlieferten Werte
früherer Tage hat nun dazu geführt, dem ehrwürdigen Gotteshause
in seinem Äußern und vor allem in seinem Innern eine umfassende
Restaurierung zuteil werden zu lassen, die nach der Arbeit fast
eines Jahres nunmehr vollendet ist und die Kirche in einem, den