Full text: 1932 (0010)

ſteifen Taxushecken, in Tierform beſchnittene Lauben ſchmücken den weiten 
Schloßgarten, Blumengruppen leuchten, Pavillons mit weißen, bemalten Lack- 
türen und Spiegeldecken zieren die Mauerecken. Jn der Mitte des Gartens 
eine Orangerie mit Säulen bekleidet von Baumrinde, ider Boden aus Moos, die 
Wände maskierte Hecken. Mitten im Winter wandelt in dem durc<hwärmten Raum 
die Fürſtin hier zwiſchen rieſelnden Quellen, duftenden Blumen, flatternden 
Vögeln umher, während draußen der Schnee an den gläſernen Wänden herab- 
rieſelt oder der Regen den kahlen Garten peitſcht. Und 'dieſe Gartenfeſte mit 
dem weithin leuchtenden, bengaliſchen Feuerwerk, das Schloß illuminiert bis 
in die Ohſenaugen der Manſarden, ein leuchtendes Transparent am Nacht- 
himmel, beſtaunt von den Bürgern, die ſich auf der Saarbrücke ſtauen, und die 
Maskenbälle im Winter. In offenen, pelzausgeſhlagenen Schlitten kam der 
Hof angefahren, im Schneetreiben, lange Reihen von Pechfackeln tragende 
Lakaien flankierten die Schloßauffahrt, in dem kleinen Rokokotheater wurde 
Komödie geſpielt, in der Jffland auftrat oder der Fürſt. 
Zu ſeinen Hofjagden kamen die Fürſten aus allen Gegenden herbei, aus 
Paris der Adel, Träger erlauchter Namen waren unter ſeinen Gäſten, die ſpäter. 
wohl alle der Guillotine zum Opfer fielen, lothringiſc<he Prinzen, ſeine Regi- 
mentskameraden aus Paris. Dieſe Jagden waren berühmt und ſehr geſucht. In 
den großen Wäldern wurde alle Art Wild gejagt, Hirſche, Wildſchweine, im 
Winter auch 'Wölfe, die aus den nahen Vogeſen und Ardennen kamen. Faſanen- 
jagden und Falkenbeizen, man tafelte in den Jagdſchlöſſern, die der Fürſt ſich 
erbaut hatte. In Neunkirden, von deſſen Schloß nur noh Mauerreſte übrig 
ſind, waren die Außenwände des Schloſſes tapeziert mit feſtgenagelten Hirſch- 
geweihen, das Möblement mit geſchnitzten Jagdtrophäen geſchmückt, das Silber- 
geſchirr trug Deckel von Hirſch- und Wildſc<hweinköpfen. Von ſeinem Bett aus, 
deſſen Rückwand ein rieſiger Spiegel zierte, konnte der Fürſt ſeine Wälder 
überſchauen. Jn Dudweiler ſtand in einem abgeholzten Waldſtück ein Zweites 
Jagdſchloß (heute „Naſſauer Hof“). Dort wurde gejagt, in den nahen Weihern 
gefiſcht und große Fiſcheſſen wurden hier abgehalten. In ländlicher Art wurden 
die Speiſen, die nur aus Fiſchgerichten beſtanden, in einfachen Kaſſerollen, wie 
ſie vom Herd kamen, aufgetragen, oft auch in Steingutſchüſſeln, in eigener 
Fabrik gebrannt. . 
Im Sommer bezog man das kleine Shlößhen im Ludwigspark vor der 
Stadt, eine raffiniert angelegte Daſe. Man wohnte in weiß lackierten Pavillons, 
in künſtlichen Meilerhütten, innen elegant eingerichtet. Der Hofmarſchall be- 
wohnte einen künſtlichen Holzſtoß, der eine Tür hatte, die in ſein kokett aus- 
geſtattetes Schlafzimmer führte. Eine Einſiedlerkapelle ſtand am Ende des 
Parks, umgeben von einem Kirchhof, auf den Grabdenkmälern las man die 
Namen der noch lebenden Hofleute mit witzigen, oft boshaften Sprüchen. Am 
Rand eines Weihers tauchen Wäſcherinnen auf, die ſich bücken und waſchen, 
kommt man näher, ſieht man, es ſind nur Marionetten, die jeden Morgen 
vom Gärtner aufgezogen werden. Berührt man einen beſtimmten Felſen mit 
einem Spazierſtock, ſo ſprudelt ein friſcher Quell daraus hervor, ein anderer 
läßt eine rauſchende Fontäne ſilbern aufrauſchen, im Tannenwäld<hen lagert 
eine Zigeunerbande, die abends zu den Feſten vortanzt und fiedelt und den 
Damen aus der Hand wahrſagt. An alles war gedacht . . . 
Auf dem Halberger Sc<hloß, das ruhig und vornehm, mehr dem einfachen 
Geſchmack der Prinzeſſin Wilhelmine entſprach, ſtand über dem Kamin das 
Motto des Fürſten: „Je veux que mon plaisir soit le plaisir des autres *). 
*) IH will, daß mein Vergnügen auch das Vergnügen der anderen ſei. 
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