Full text: 10.1932 (0010)

Eke. Als dort die Kameraden von ſeiner Seite verſchwinden, zuckt er für 
einen Augenblick zuſammen und fällt auf die Seite. Dann rafft er ſich auf, 
wirft einen Blick auf die Bahnhofsuhr und legt ſich der Länge nach auf die 
Bank. Er freut ſich über den geräumigen Platz, zieht die Beine an den Leib 
und "<läft weiter. 
Während der folgenden Stationen iſt er der einzige Paſſagier des Zuges. 
Wie aus weiter Ferne hört er den Schaffner rufen und das Knirſchen der 
Bremſe. Auf einem kleinen Bahnhof weckt ihn wie immer der Schaffner. 
Schlaftrunken ſpringt er auf den ſprienden Bahnkies, drückt dem Schalter- 
beamten die Karte in die Hand und eilt mit weitausgreifenden Schritten dem 
Dorfe zu. 
„Es iſt höchſte Zeit,“ keucht der Franz, wie er ſieht, daß ſeine Wieſen noch 
allein in dem abgemähten Tale grünen. Jmmer länger wirft er die Beine -- 
immer treibender wird ſein Gang. Nun ſteht er atemholend vor der langen 
Front ſeines Hauſes, das etwas abſeits vom Dorfe in einer ſtillen Wieſeneke 
liegt. 
Als der Franz mit dem Grubenſteken und dem Ruckſack in der Küche 
ſteht, iſt auf einmal alle Müdigkeit aus ſeiner Haltung verſchwunden. „Guten 
Tag, ihr Kinder“ lacht er mit froher Stimme. Dann ſtreicht er idem älteſten 
Mädchen über das frühalte Geſicht, gibt dem Fränzhen einen Klapps auf den 
ſHmußigen Hoſenboden, hat für die Lene und Klara, für den Hans und Peter 
ein luſtiges Wort und ein frohes Lachen. Den weinenden Jüngſten läßt er ein 
paar Sprünge auf ſeinem Knie reiten, dann ſetzt er ſich an den Tiſch und 
ſchlürft hungrig die Suppe. 
„Biſt du müd?“ fragt während des Eſſens das älteſte Mädchen und ſchiebt 
ihm das Fußbänk<hen vor die lang ausgeſtreckten Beine. „Nein, gar nicht, 
Kind,“ ſagt der Franz mit einem dankbaren Blick auf die junge Haushälterin, 
die ſeinen Kindern die Mutter erſezen muß. Dann ſchiebt er dem Jüngſten ein 
Fleiſchſtück nach dem andern in den Mund, läßt den Peter und die Klara den 
Kleinen. Er muß ihnen viel Sonne ins Leben ſtreuen, damit ſie nicht zu ſehr 
die arme gute Mutter vermiſſen, welche der Tod vor zwei Jahrn aus dem 
Winkelhaus hinausführte auf den Kirchhof. 
Ein vorbeipolternder Heuwagen reißt mit ſeinem Knarren den Franz auf 
die Beine. „Bring mir den Köcher und die Senſe,“ ruft er auffahrend der 
Aelteſten zu. „Mähen muß ich, mähen.“ 
„Mit,“ lallt der Jüngſte, als der Vater mit der Senſe in der Hand in der 
Küche ſteht. Snell rutſcht er über den Boden, zieht ſich am Hoſenbein des 
Vaters hoch und fuchtelt mit den Händen. „Langſam, langſam,“ wehrt ſich 
lachend der Franz, hebt das Kind auf den Arm und ſchickt die anderen mit 
dem Rechen auf die Wieſen. Dann ſperrt er die Haustüre ab, gibt dem Kinde 
den Schlüſſel zum Spielen in die Hand und eilt mit ſchnellen Schritten über 
den Primsſteg. In der Wieſe ſezt er den Kleinen in das ausgetrocknete 
Primsbett und wirft ihm einige Muſcheln und Schneckenhäushen in den Schoß. 
Er ſchiebt ihm dann noh ein Bündel Heu unter den Leib und ſtellt ſich mit 
geſpreizten Beinen in das Grasmeer, um ſeine zweite Tagesſchicht zu beginnen. 
„Ziſch, ziſc<h“. Im runden Zirkelbogen ſchneidet die Senſe durchs Gras 
und legt den erſten Mähgang vor die Füße des Mannes. „Hau, wie der 
Rücken ſchmerzt,“ brummt der Franz vor ſich hin. „Wie ausgehängt ſind die 
Arme und Beine.“ 
„Ziſch, ziich,“ breit und gerade zieht ſich der zweite Gang von dem Graben 
hinunter bis zu den Primserlen. Jn dem knochigen Geſicht des Bergmanns 
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