Full text: 10.1932 (0010)

„So einfach geht das ja nun gerade nicht“, ließ ſich Johann zu ſeinen 
Räten vernehmen, als man ihm die umfangreiche Schrift verleſen hatte, in 
der die Härte der Fronarbeiten geſchildert wurde. Mit Fronden, Bau- und 
Weingeld möge der Graf ſie nicht mehr belaſten als ihre Eltern. Sie wollten 
auch allzeit getreue und gehorſame Knechte fein und mit ihren Weibern und 
Kindern immer getreulich für ihren Grafen und ſeine Familie beten. 
„Beſtellen wir die Brüder einmal auf Mittwoch, den 25. Juni.“ 
Das erzählte der Sekretarius beim Abendſchoppen ſeinem Schwager. Unter 
dem Siegel der ſtrengſten Verſchwiegenheit verſteht ſich. Dieſe geheimnisvolle 
Formel genügte, um ganz Saarbrücken am andern Tag ſchon von der Vor- 
ladung in Kenntnis zu ſeen. Und als an dem beſtimmten Tage die Bauern 
unter der Führung ihres Kaiſer in Saarbrücken einrückten, wurden ſie be- 
reits von den Stadtfräcken erwartet. Vor allen Türen hatten ſie ſich auf- 
gebaut. Bürger aller Größen, Gewichtsklaſſen und Berufe, indes die edlen 
Frauen ihre Hälſe lang machten und zum Fenſter herausſ<hauten. Die Jugend 
genoß ihr Vorrecht und lief johlend vor und hinter dem Zuge her, der kurz 
nach Mittag ſeinen traurigen Einzug in die Reſidenz hielt. „Na, Jhr könnt 
Euch auf allerhand gefaßt machen“, rief ihnen alles nach. 
Im Scloß nahm ſie ein Diener in Empfang und führte die geknickten 
Rebellen in den großen vorderen Saal, in dem ſich nacheinander der bereits 
geſtern aus Nanſtuhl angekommene kaiſerliche Notarius Endres S<er und 
die Herren Hofmeiſter Franz Friedrich v. Liebenſtein und Junker Georg 
v. Kriehingen-Püttlingen einfanden. Die Herren unterhielten ſich 
in einer Eke des Saales, bis ein Diener die Ankunft des Grafen ankündigte. 
Bei Eintritt Johanns knickten die Bauern in Ehrfurcht und Schrecken zu- 
ſammen. Der Notarius ließ ſich an einem Tiſch nieder, putzte umſtändlich ſeine 
Brille und war bereit, den Verlauf der Verhandlung ſach- und formgerecht 
niederzuſc<hreiben. Auf einen Wink des Grafen verlas der Hofmeiſter ein langes 
Schriftſtück, in dem den Bauern ihre Miſſetaten vorgehalten wurden: Dienſt- 
verweigerung, Treubruch, Holzfrevel, Anrufung landfremder Herren und der- 
gleichen. Der Graf ſei jedoh aus Üüberreicher Milde und Güte geneigt, zu 
verzeihen, wenn die Sünder einen ordentlichen Fußfall täten, reumütig ihre 
Schuld bekennten und für ihren eingeſtandenen Ungehorſam 100 blanke Taler 
blechten. 
Darauf beteuerten die Aermſten ihre Abſicht, dem Grafen zu gehor<en; 
doch möge dieſer ein Einſehen haben und ihnen die Strafe erlaſſen. Der Graf 
ſtauchte die Geſellſchaft gehörig zuſammen. Er verkündigte, daß an eine Straf- 
loſigkeit nicht zu denken ſei, da ſie wiederholt nicht pariert hätten. Als ſie 
nun aufs neue ihre Bitten an den Landesherrn richteten, hieß der Graf, die 
Schar zu verſchwinden, damit er ſich mit ſeinen Ratgebern über die neue 
Sachlage unterhalten könne. Dieſe drangen in ihn, er möge es bei der Abſicht 
bewenden laſſen. Schrecken genug hätten die Leute ausgeſtanden. Endlich ließ 
ſich der Graf erweichen und teilte den wieder eingetretenen Bauern mit, er 
wolle ſich zufrieden geben, wenn ſie einen neuerlichen Kniefall täten und ihm 
unverbrüchliche Treue gelobten. Das ließen ſie ſich nicht zweimal ſagen und 
taten, wie es der Graf wünſchte. 
Ihre Freude ſtieg noch, ':als Johann ihnen erklärte, ſie könnten nunmehr 
unbehelligt naß Hauſe kehren, alles bliebe beim alten, die Fronarbeiten 
brauchten ſie nicht zu übernehmen und die eingezogenen Güter würden un- 
verzüglich wieder zurückgegeben. Und um dem ganzen einen würdigen Ab- 
ſchluß zu geben, ſpendiere er den Anweſenden ein Faß Wein, allerdings nur 
|
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.