Full text: 10.1932 (0010)

oder den Pfeiffer, das iſt mir Wurſt -- aha, da iſt ja der Herr Tintenſpion 
- ſeße er ſi; mal an den Tiſch, ſchneide er ſeinen Gänſekiel recht ſpitz, daß 
die Herren zu Vic die Worte auch gut leſen können, tunke er kräftig in die 
Schreibbrühe, daß es dieſen Herren ſchwarz vor iden Augen wird, wenn ſie 
meine Antwort zu Geſicht kriegen, erſinne er ſich die giftigſten Redensarten, 
wenn er ſich ausarbeitet, was ich ihm in Kürze jetzt andeute: „Wir, Johann IV., 
Graf von Naſſau-Saarbrücken, etc. pp. = das übliche Geſchwafel, na, Sie 
wiſſen ja, = haben mit Erſtaunen und Befremden von Eurem Scutßbrief in 
Völklingen Kenntnis genommen. Wir beeilen Uns mitzuteilen, daß wir mit 
gleicher Poſt Ordre geben, den Schußbrief abzureißen, da dort nur Wir und 
ſonſt niemand etwas zu ſagen, noh weniger zu ſchügen hat. Eure geiſtlichen 
Naſen mögt Jhr in andere Töpfe ſtecken, aber nicht in Meine. Gott befohlen 
und nichts für ungut. Euer wohlaffektionierter uſw. Tſchingbum, Schluß!“ 
Brief und Befehlsausführung ſchlugen wie Bomben ein.“ Die Herren in 
Vic ſtaunten, als ſie den Brief laſen. Die Bauern waren erſchüttert, wie ein 
gräflicher Reiter den Schußbrief abriß, zerſ<hnippelte und verbrannte. Aber 
ſchon war Hans Kaiſer auf dem Damm. Er ſchürte und hetßzte, bis die Bauern 
ſeinen Vorſchlag annahmen und eine Abordnung nah Vic ſandten, die die 
Freveltat meldeten. Man ſtaunte in Vic noh mehr. Denn was die Bauern 
erzählten, war zwar in dem Brief mitgeteilt. Aber man hatte das nur als 
leere Drohung aufgefaßt. Nun ließen die zu Vic ähren Geiſt ſprühen und ſetzten 
auch ihrerſeits ein Schreiben auf, das ſich gewaſchen hatte. Der Graf ſei ihr 
Lehnsmann und habe gar nichts zu redetten. Jnsbeſondere ſei darin eine gröb- 
liche Beleidigung des Biſchofs zu erblicken, daß erſtens der Brief des Grafen 
in ſo ſc<hnoddriger Weiſe abgefaßt geweſen ſei, und daß zweitens in ſo kühner 
Weiſe die biſchöfliche Proklamation entfernt worden ſei. 
Der Graf erhielt dieſes Schreiben zwei Tage ſpäter. Ohne ihm eine Ant- 
wort mitzugeben, ſandte er den Boten wieder zurück. „Sage deinen Männchen 
dahinten in Vic, ob es bei ihnen auch regnete?“ 
Daß ihre Beſchwerde keine Beachtung gefunden hatte, erregte nun wieder 
den Aerger der Metzer. So ließ man denn den gräflichen Amtmann von 
Ober-Homburg vor idem Rat zu Vic erſcheinen, um ihn wegen des Völklinger 
Hofes ins Gebet zu nehmen. Ehe dieſer nach Vic abreiſte, benachrichtigte er 
ſeinen Grafen. 
„Ah nein!“ meinte der Johann, als er davon hörte, „da ſeid ihr ſchief 
gewickelt. Jh werde eu<h jetzt mal klaren Wein einſchenken. Jhr könnt mir 
den Hobel ausblaſen! Schreiber: male denn einen Brief des Jnhaltes, daß 
ich in erſter Linie ein deutſcher Fürſt bin, Kaiſer und Reich, für die ich ſchon 
vielmals geſtritten habe, untertan, aber niht Euch Pfaffen. Was Jhr Euch 
immer dick tut mit Eurer Lehnsherrſchaft. Da iſt gar nichts dran. Wenn ich 
nicht will, dann könnt Jhr nichts dran ändern und wenn Jhr Euch auf den 
Kopf ſtellt, Jhr Krampfmichel! Zum letztenmal: Mösine Ruhe will ich haben. 
Meine Untertanen haben mir zu gehor<hen. Das wäre ja noc ſchöner, wenn 
da jeder beliebige glaubt, er könne ihnen die Köpfe verdrehen und ſie ihrer 
Serrſchaft abſpenſtig machen. Wenn man von dieſen närriſchen Dingen nicht 
abläßt, werde ich andere Saiten aufziehen. Jh erwarte baldigen Abzug aus 
meinem Gebiet. Zieht in Frieden, aber zieht!“ 
Da merkte man endlich, was die Gloke geſchlagen hatte. Und als die 
Metzer den Völklingern im Herbſt 1571 den Rat gaben, es ſei klüger, dem 
Grafen nachzugeben, entſank diefen der Mut. Sie ſetzten nach langem Ueber- 
legen im Frühjahr 72 eine de- und wehmütige Sc<vift auf, in der ſie ihr Leid 
beweglich klagten und um mildes Nachſehen baten. 
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