Full text: 10.1932 (0010)

übrigen gebe ich Euch auf, Euch bereit zu halten. Jhr erinnert Euch noh, 
daß die Bauernſchaft ſchon einmal aufgeſtanden iſt, um ſich zu verteidigen. 
Wenn man uns nicht beiſtehen will, nun gut: wir werden uns zu helfen wiſſen! 
Mehr will ich für heute nicht ſagen. Und wenn einer unter uns iſt, der uns 
im Stiche läßt, dem . werden wir ſchon eins auf den Hut geben, daß er zeit- 
lebens an ſeinen Verrat denkt. Jetzt: Marſch nach Hauſe!“ 
NMSkaaf + 
- * * - gaben ihren Roſſen die Sporen, daß dieſe ſich hoch aufbäumten und dann mit mächtigen 
Sätzen in der Richtung Saarbrücken abzuweten. Das Praſſeln der Steine bewies, daß es 
höchſte Zeit war, dieſen Rückzug anzutreten. 
Langſam zerſtreute ſich die Anſammlung. Lebhaft geſtikulierend zogen die 
einzelnen Ortſchaften geſchloſſen ab. Wohl riet mancher zur Mäßigung, aber 
es war keiner da, der nicht entſchloſſen war, notfalls für die Rechte der 
Bauernſchaft einzuſtehen und über die Wahrung der wenigen Freiheiten, die 
noch verblieben waren, ſtreng zu wachen. 
Im Saarbrücker Schloß herrſchte ängſtliche Aufregung. Jeder ſuchte ſich 
eine Beſchäftigung, die ihn den Augen des (Grafen verbarg. Johann wetterte 
in allen Eken herum. Einem der Reitknechte hatte er ſchon in aller Frühe 
eine Backpfeife heruntergeknallt, weil der meldete, ein Pferd ſei wundgeritten. 
Den Köchen drohte der Graf, ſie eigenhändig ſamt und ſonders,in die Pfanne zu 
hauen. Selbſt der Hofmeiſter, der korrekte Liebenſtein, mußte etliche 
Schmeicheleien einſteken. Zum Ueberfluß war mit der Gnädigen auch kein 
vernünftiges Wort zu ſprechen, da ſie mal wieder über Kopfſchmerzen klagte. 
Kurzum: es ging drunter und drüber. Und das ſeit geſtern nachmittag, als 
die Abgeſandten mit ihrem Mißerfolg aus Völklingen heimkehrten. Was den 
beiden der Graf nach ihrem Bericht ins Stammbuch geſchrieben hatte, war 
von ihnen noch nicht reſtlos verdaut, als ſie Trübſal blaſend im Zimmer des 
Offiziers der Shloßwache ſaßen und ſi< mit ihm beim Würfelſpiel zu tröſten 
verſuchten. 
„Die Herren möchten zum gnädigen Herrn kommen“, meldete da ein 
Diener. „Auch das noch!“ ſtöhnten beide. „Hals- und Beinbruch!“ rief ihnen 
der Offizier nach. 
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