Volltext: 10.1932 (0010)

Herr habe do< ſchon mancherlei getan für ſeine Leute, ſo daß ſie ihm nun 
auch einmal eine Gefälligkeit erweiſen könnten. Auch diene der Ausbau der 
feſten Schlöſſer nicht nur der Sicherheit des Grafen, ſondern ſei nüßlich für 
Land und Leute. 
„So?2“, krähte der kleine Georg Luß, der ein wenig ſchielte. „Was haben denn 
wir Geislauterner davon, wenn in Homburg eine feſte Burg ſteht? Und was 
ſoll uns ein ſchöner Tiergarten? Vielleicht ſollen da unſere elenden Kühe aus- 
geſtellt werden? Nennt uns die Vorteile, die wir bei der Sache haben ſollen! 
Genoſſen, ich mahne Euch: hört auf das, was uns ider Hans Kaiſer ſagt. Ein 
Lump iſt, wer dem Grafen in Homburg eine einzige Fuhre leiſtet!! Fertig ab!!“ 
„Dravo! Gib ihm Saures! Bravo! Hoch der Lutz! Hoch der Hans Kaifer!“ 
ſchallte es dem kleinen Sprecher entgegen, der in dieſem Augenblick allerdings 
einen ziemlich lächerlichen Eindruck gemacht hätte, wenn ihn ſeine Kumpane 
hätten ſehen können. Denn zum Schluß ſeiner fulminanten Rede war ihm 
der „Ton in die falſche Kehle gerutſcht“, wie man ſo zu ſagen pflegt. Und 
er mußte mächtig huſten. Aber da er Klein war, bemerkten dieſen komiſchen 
Uebergang nur die Nächſtſtehenden. 
Die Herren Beamten Kxatzten ſich bedenklich hinter den Ohren. „Fauler 
Zauber!“ ſagten ſie zueinander. Zu den Bauern aber wandten ſie ſich mit 
folgender Abſchiedsrede: 
„Ja, wenn Jhr Dickſchädel niht mit Güte wollt, müßt Jhr halt die Un- 
gnade Eures Gebieters erdulden. Da habt Jhr nichts zu lachen! Der Graf iſt 
entſchloſſen, ſeine Pläne unter allen Umſtänden durchzuführen, da wird er ſich 
gerade von Euch Dummſchwäßern irremachen laſſen!? Glaubt das nur nicht. 
Wir raten Euch: Eure Meinung ſchnellſtens zu ändern. Bis nächſtens denn!“ 
Vorſichtshalber hatten die Boten ihre Pferde in ihrer Nähe gehalten. Die 
lezten Worte ſprachen ſie ſchon vom Reitſit aus. Und kaum, daß ſie ihre 
Anſprache zu Ende gedonnert hatten, winkten ſie dem Meyer kurz zu, gaben 
ihren Roſſen die Sporen, daß dieſe ſich hoch aufbäumten, um dann mit mäch- 
tigen Säßen in der Richtung Saarbrücken abzuwetzen. Das Praſſeln der Steine 
bewies, daß es höchſte Zeit war, dieſen ſtrategiſchen Rückzug anzutreten. 
„Na, Herr Kollege, da hat's geſchnackelt! Und wer iſt der Lackierte bei 
der Choſe? Wir ganz allein! Hier lacht man uns aus und bedenkt uns mit 
Feldſteinen, beim Grafen brüllt man uns an und nennt uns Dirmel und 
Sprenzpfeffer!“ 
„Leider ſtimmt's, was Sie ſagen! J< denke auch ſchon mit Schrecken an 
den Empfang. Beſonders, da mich der Graf ſeit einiger Zeit ſowieſo auf der 
Latte hat. Weiß der Henker warum!“ 
Während ſich die Unglücksboten ſo über das Mißlingen ihres Unternehmens 
beklagten und ſich die huldvollen Worte ihres Herrn ausmalten, ſtieg in der 
Bauernverſammlung eine ſchwungvolle Rede nach der andern. Bis ſchließlich 
Hans Kaiſer das Ergebnis zuſammenfaßte: 
„Noch einmal alles herhören! Alſo ſo machen wir das. Wir ſchicken das 
Schreiben noch heute an den Lehnsherrn des Saarbrücker Grafen, das Hochſtift 
Meß, ab. Darin legen wir dar, daß wir in Homburg fronen ſollen, ohne dazu 
verpflichtet zu ſein. Wir berichten über den Hergang der Tagung und geben 
an, daß wir unter allen Umſtänden die Fronarbeit ablehnen. Wir erwarten, 
daß der biſchöfliche Rat zu Vic ſich auf die Seite des Rechtes, alſo die unſere 
ſtellt und idem Grafen Kklarlegt, daß man zu viel von uns verlangt hat. Wir 
können getroſt erwähnen, daß wir andernfalls entſchloſſen ſind, höheren Ortes 
Hilfe zu ſuchen. Einverſtanden? Jhr werdet ſehen, das ſchlägt ein. Und im 
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