Full text: 10.1932 (0010)

Schlußwort 
von A. Z. 
„Denk' ich an Deutſchland bei ver Nacht, 
ſo iſt mein Schlaf dahin.“ 
Heinrich Heine (Reiſebilder) 
„Germania“, das alte, in vielen Stürmen erprobte Staatsſ<iff, iſt dur< harte 
Unwetter in Seenot geraten. Umſtarrt von Klippen, ſtampft und ſchlingert es in 
dem hohen Wellengang, den Sturzſeen hilflos preisgegeben. Seine 8S.O. 5. - Ruſe 
werden gehört. Sternenbanner und Union Jack taucen auf, zur Hilfe bereit, aber 
ein Panzer unter blau-weiß-roter Trikolore verlegt ihnen durc<; geſchicktes 
Manövrieren den Weg. Haß, Trug und brutale Gewalt der ſog. „heiligen Derträge“ 
fordern für die ſtets ſchwindelvolle Friedens- und Freiheitsflagge den Schiffbruch 
der „Germania“, ſie ſoll nie mehr in ruhiges Fahrwaſſer gelangen. „Alle Ylann an 
Dek!“ erſ<allt das Kommando in höchſter Gefahr und ſchre>t die Beſaßung des 
mit Sturm und Wogendrang kämpfenden Sdjiffes auf. Klle ſind in wirrem Dur<h- 
einander, mit Rat iſt ſofort jeder bei der Hand, wo do< nur kraftvolles, einheit- 
li<es Handeln die Rettung verbürgt. Durd die zerriſſenen Segel heult der Orkan 
und in ihm ſchreit die Uot den Zagenden zu: Denkt der Helden grauer Sagen, einig 
ſeid auf rauhem Pfad, jenem einzigen, ewig re<hten Weg der Ehre und der Tat. 
Ruht nicht Kraft in eurem Sc<hoße, die Derlornes wiederbringt? Daterland, das iſt 
das Große, das die Schande niederzwingt. Auf, daß unſer Reih geſunde, ringet um 
das höchſte Gut, alle ruft des Schickſals Stunde zu der Einheit Flammenglut. 
Caßt uns heute nicht ſtreiten, woher das Unglück und wie es kam, ob Young- 
Tribute, gekündigte kurzfriſtige Kredite oder Bonzenwirtſchaft uns zum Weißbluten 
gebra<t. Jeßt heißt es, nah der allen nunmehr klaren Erkenntnis des Dampirs 
aus dem Uahbarlande, in der verzweifelten Lage den Zank der Parteien aus- 
zugleichen oder doh im Hinblick auf das Unglück des Ganzen dur< Waffenſtillſtand 
einzudämmen. Exr ſoll ni<t mehr gelten der Spruch der Sprüche: ob's in den tiefſten 
Dreck uns treibt, geh' auh alles in die Brüche, wenn die Partei nur oben bleibt. 
Betrüblidh ſteht heute alles da, keinen Heller in der Taſche, und die Frau Germania 
klagt in Sack und Aſ<e. Woher Hilfe in dem Finanz- und Wirtſchaftselend? Kon- 
ferenzen mit ſieben Hauptmächten zogen hin und her, von Paris nah London uſw., 
aber ſie brachten nur Reſolutionen und Kommiſſionen, doMm keinen Pfennig Geld, 
Es iſt eben im Leben der Dölker um keinen Deut anders als im Daſein5skampf des 
Einzelnen. Es fühlt kein Staat die Retterpfli<t und die Moral von der Geſchicht: 
Zuerſt hilf ſelbſt dir, lieber Chriſt, 
Das iſt uralter Brau, 
Und wenn du wieder oben biſt, 
Dann helfen wir dir au. 
4-4 
Es iſt und bleibt der WeiSheit Reſt, wie auch die Würfel rollen, die eigne Kraft 
bleibt ſtets das Beſt', laß andre machen, was ſie wollen. A<h, daß man uns gewogen 
bliebe, was taten wir niht alles ſ<on, wir bettelten um Gunſt und Liebe, und 
jede Antwort war nur Hohn. Immer doh nur blauer Dunſt, Ulichel wurde ſtets 
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437. 
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