Full text: 1932 (0010)

Vorfreid. 
Der Owe brummt! -- e feiner Duft 
zieht durch es Haus un wirzt die Luft 
wie mit gebrodne Eppel. =- 
„Guc> Mudder, guck: 's gebt dunkel ſchunn, 
kumm hall met uns € Shummerſchtunn!“ 
ſo bettelt '5 klän Geräppel. 
Die Mudder wääß noh kaum, was los, 
doh huckt 'r-5 Klääntſcht ſhunn uff'm Schoß, 
dut an ihr Herz ſich kuſchle. 
„Sah Mudderlee, verzehl mol ſchnell, 
kummt ball dr Nicklos mit dr Schell?“ 
geſchbannt ſein Lippe tuſchle. 
Die macht dann uff die Owedier, 
e goldner Lichtſchtrahl brecht herfier, 
bewegt wie Kriſchbaamkerze. -- 
Am Finſchder leis der Vorhang weht, 
weils Engelskind durc<s Schtibbhe geht 
un guckt in Kinnerherze. 
Jetzt hollt ſe all ihr Märcher vor, 
verzehlt zum Herze dur< es Ohr 
die ald-uralde Weiſe, 
wo ſie ihr Mudder drum gequeelt, 
die widder ihr ſe hat verzehlt -- 
un leiſe, leiſe, leiſe, 
ringt ſic<s aus voller Kinnerſeel, 
aus Kinnerherze ohne Fehl, 
wie's Sunnelicht dur<s Wetter, 
un klingt verziddernd dur de Raum: 
O Tannebaum, o Tannebaum, 
wie grien ſinn deine Blädder! 
Tiſhlermeiſter C. Schumann. 
Worte vom Glüd. 
Jede Arbeit, mag ſie noh ſo niedrig, be- 
liebt oder unbeliebt ſein, mag ſie Kopf oder 
Hand in Anſpruch nehmen, iſt als ſittliche 
Pflicht und Vorbedingung wahren Lebens5- 
glückes aufzufaſſen und in Ehren zu halten. 
V. Böhmert. 
Der Menſch ſoll arbeiten; aber nicht wie 
ein Laſttier, das unter ſeiner Bürde in iden 
Schlaf ſinkt und naß der notdürftigſten 
Erholung der erſchöpften Kraft zum Tragen 
derſelben Bürde wieder aufgeſtört wird. Er 
ſell angſtlos mit Luſt und mit Freudigkeit 
arbeiten und Zeit übrig behalten, ſeinen 
Geiſt und ſein Auge zum Himmel zu er- 
heben, zu deſſen Anblick er gebildet iſt. 
Et-htg, 
TS Üge 
Vorfriehling. 
Vunn Screinermeiſchder C. Schumann. 
Was will dann ſchunn der Amſchel Schlag, 
Im roſ'ge Wintervormiddag? 
Was ſinn dann das for Mode? 
Dr Novdwind ſtäbt noh Schnee dur<hs Feld, 
Truzdem hat ſie ſich ingeſtellt, 
Un ſingt un peift noh Node? 
Noch regt ſich's nit in Halm un Gras, 
Noch weiſt kä Blättche mr ſein Nas, 
Am Aſcht, am ingeſchneite, 
Un trußzdem ruft = wie wunnerbar! -- 
Das Zeiſ'je ſchunn ſein „Spiß die Schar!“ 
Was ſoll dann das bedeite ? 
Ach, froo nur nit, mei liewes Kind: - 
Brauſt aa der Sturm un heilt dr Wind 
Durch Feld un Wald un Wieſe, 
Der |Friehling ſchicket Bote her, 
Daß er ſchunn unnerwegens wäre, 
Un läßt dich vielmols grieße! 
Betrachtunge. 
Wann alles geht in Sticker, 
Verlier nit de Humor, 
Loß nit 'die Löffel henke, 
Norr immer: Kopp empor! 
Dann iſch ſchun halwer g'wunne, 
Dann ſucht dich widder '5 Glick, 
Freiweg unn dur<hgedrunge, 
Vorwärts unn nit zurück. 
Willſcht erfolgreich du durc<'s Läwe 
wannere, 
Dann bedenk zu jeder Friſcht: 
Je beſcheidener du ſelwer biſcht, 
Deſto frecher wer'n die annere. = 
Doch noch äns iß bemerkenswert: 
Der Saß gilt aahß umgekehrt. 
Uewer die Allgemeinheit 
Kannſcht ſchelte, waß niemand ſc<heniert. 
Sciltſ<ht awwer bloos iwer äner, 
Wirſcht glei vor's Amtsgericht zitiert. 
Wann'd voller Shmerze du zum Doktor 
kummſcht, 
S'iß oft vergewens =-- awer nie umſunſcht. 
„De Menſc< iß Gottes 'Ewebild.“ -- 
Der Satz do macht mich immer wild. 
Ni1 vielleicht aus gottloſer Vernäänung, = 
Nä, ih hunn d'r bloos vun Gott ä beſſeri 
Määnung. 
Pälzer Schorſch. 
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