Full text: 9.1931 (0009)

an der Garderobenſtange, und auf der Gartenpforte ſtand deutlich: Verein 
gegen Hausbettelei . . . Aber daran kehrten ſich Einbrecher nicht. Die ſägten 
dicke Eiſenſtangen durc. | | 
„Und bei uns ſind noc< Holzläden!“ öitterte Mama. „Weshalb haſt du ſie 
nur dranmachen laſſen, ſtatt eiſerner Rolläden ?“ 
„Still, hört mal“ . . . Und alle ſchwiegen und lauſchten. . 
Jetzt war es deutlich hörbar, unten wurde geſprohen. Man hörte eine 
tiefe Stimme -- -- was die nur miteinander redeten? Die packten wohl die 
Geſchenke ein? 
„Mei' ſchön Eiſebahn!“ klagte der dicke Paul. Edi kamen die Tränen, 
„hätt ich doh wenigſtens mei' Pupp mit ins Bett genomme.“ 
„Still“, rote der Papa. „I< gehe jetzt herunter. Und er band 
die Schnur des Bademantels feſt wie einen Strick. 
„Um Gotteswillen“, die Mama hielt ihren Mann am Arm zurück. „Du 
wirſt dich unglücklich machen, Ernſt . . . Laß ſie meinetwegen das Silber mit- 
nehmen. Seht doch mal, ob nicht irgendwo ein Auto hält? Die haben ja jetzt 
immer eins daſtehen . . .“ 
Die Kinder und die Mädchen eilten an die Fenſter und drückten ihre Naſen 
gegen die eisverkruſteten Scheiben. Aber man ſah nur Schneegeſtöber, das 
bicht um das Haus wirbelte, Laternen, die noch in den Straßen brannten, die 
Villen lagen alle dunkel, nur in einzelnen Dachzimmern brannte mattes Licht. 
Die hohen mageren Tannen des Winterbergs ſtanden unbeweglich im Schnee. 
Von einem Auto war nichts zu ſehen. 
„Wie ſind ſie nur gerade auf unſer Haus gekommen?“ jammerte Mama. 
„Es ſtehen doh über hundert Häuſer auf dem Triller . . . Wir haben doh gar 
nichts. Herausfordeinbes. Elli, zieh wenigſtens Hoſen an, es iſt ſehr kalt 
überall.“ 
„Kürzlich iſt erſt in einem Haus in der Winterbergſtraße eingebrochen 
worden“, warf der Tertianer ein, der Zeitungen las, „die Leute waren im 
Winterſport. Denen haben ſie das ganze Haus ausgeräumt in aller Ruhe, und 
die Nachbarn haben zugeſehen und gemeint, es 3zög' einer aus . . .“ 
Pitt „Haltet doch mal den Schnabel“, rief der Vater zornig und er ſicherte die 
iſtole. 
„oſt ſie geladen, Ernſt?“ 
„Natürlich, laß mich los, Emmy, ich laſſe mich nicht am hellen Tag aus- 
rauben . . . Das Telephon habt Jhr vergeſſen mit heraufzunehmen -- wofür 
hab ich denn den Umſchalter machen laſſen? Jmmer wird das Wichtigſte ver- 
geſſen - =<“ Der erregte Vater riß ſich los und ging nach der Türe . .. 
„Alſo, vorwärts =- -- Freiwillige vor!“ 
Niemand rührte ſich, die Familie blieb, unordentlich friſiert und leicht- 
bekleidet, zitternd zuſammengedrängt in der Ee ſtehen. 
- „Ich geh mit“, ſagte der Tertianer entſchloſſen. „Wenn ich nur ein Gewehr 
hätt. Aber der en Enn -- =“ 
„Curt“, rief die Mutter. „Du rührſt kein Gewehr an! Verſprich mir das. 
raß das Papa machen. Vielleicht flüchten ſie, wenn ſie Lärm hören. Wir wollen 
mal Lärm machen.“ Und ſie begann mit dem Stuhl auf den Teppich zu ſioßen. 
Sogleich ergriff jeder einen Stuhl und trommelte gegen die Decke . . . er 
Bater legte das Ohr auf den Teppich und lauſchte. „Die reden ruhig weiter“, 
ſagte er. „Alſo los, Curt.“ Die beiden Männer traten auf den ſtillen, kalten 
Flur. Die Mutter, die für das Leben ihres Manes zitterte, folgte auf einem 
in der Eile erwiſchten großen Pantoffel ihres Mannes und in einem zu kleinen 
Pauls, den ſie ſ<Hon auf dem Treppenapſa verlor. Die Mägde folgten mit 
ſchwachen Knien, hinter ihnen Elli und Paulchen im Nachthemd. Jn einer 
roze ſion ſtiegen ſie leiſe die teppichbelegte Treppe hinunter. „Wenn wir 
unten ſind, bleibt alle ſtehen“, flüſterte der Vater. 
- „„»Zeig doh um Gotteswillen nicht mit der Pittole auf uns, Ernſt! Halt ſie 
in den Boden, jetzt zückſt du ſie gerade auf mich.“ 
„Sie iſt ja geſichert“, ziſchte der Vater. „Still doh! Alſo, wenn ich die 
Türe aufmache = ==“ 
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