Full text: 9.1931 (0009)

Nach langen Jahren des Fernſeins war ich jezt wieder in der alten Heimat. Noch 
herrſcht der Franzoſe. Mit Trotz und gleichzeitig großer Gelaſſenheit erwartet das Saar- 
land den Tag der Abſtimmung: 1935! Aber nicht mit Spannung, man weiß, wie 
die Abſtimmung ausfallen wird. -- 
IH gehe über die Saarbrücke naß Burbach, wo die Hochöfen glühen, wo die Straßen 
kohlſchwarz ſind, wo die Luft bleiſchwer auf einem laſtet. Und hier, hier ſehe im mit 
Rührung und frohem Staunen eine deutſche Frauenarbeit im bedrohten Grenzgebiete, 
die mich urplößlich über das ganze Franzoſenelend erhebt. - 
Staunend ſehe ich da weit, weit hinaus, dort wo in meiner Kindheit nur ödes Brach- 
land war, auf Hunderte, jawohl, Hunderte von wohlbeſtellten Shrebergärten! Wie 
ich aber frage: wer ſind denn die fleißigen Heinzelmännchen geweſen, die das alles in 
den wenigen Jahren zuſtande gebracht haben? da höre ich zu meiner großen Freude 
Folgendes: 
Die flinken Heinzelmänn<hen, -- das waren eigentlich HSeinzelfrauen, nämlich die 
unermüdlich tätigen Mitglieder des Saarbrücker Hausfrauenvereins! -- 
Frauen ſind es, die weite, öde Brachlandſtrecken in, ſage und ſchreibe: 1200 Shrebexr- 
gärten umgewandelt haben! -- Schon 1916 fehlte es in Saarbrücken, da der Verkehr 
mit Lothringen, der Pfalz, Birkenfeld und dem Landkreis Trier abgeſchnitten war, an 
Milc<, dann an Gemüſe und Kartoffeln. Und auf lange Jahre hinaus drohte unſagbares 
Elend. Aber wo oin Wille, da ein Weg. Frauen hatten den Willen, Frauen fanden und 
Gingen den Weg. Wie? Ein Pflug wurde gemietet. Das war das erſte. Und die Militär- 
behörde wurde zur Mitwirkung aufgefordert. Die tat mit. Das war das aweite. Und 
Samen und künſtlicher Dünger im großen gekauft und zum Selbſtkoſtenpreiſe an die 
Kleinſiedler abgegeben. Das war das dritte. Und ſo gedieh das Werk. Erſt viel be- 
[ächelt und verſpottet, haben die tapferen Frauen unentwegt ihr Ziel feſt im Auge be- 
halten und nicht auf links und rechts gehört. Heute iſt kein Stückhen Boden mehr 
unbebaut. Die Leute „reißen ſich“ um die Schrebergärten. Beſonders ertragreich iſt das 
Saarufer: ein 7--10fa<her Kartoffelertrag. Aber auch die häßlichen Scutthalden, ja die 
Schlackenberge ſind in blühende Gärten umgewandelt. Und die deutſche Sonne ſtrahlt 
freudig auf ſie nieder. 
Der Pflug hat das Schwert abgelöſt. Tapfere deutſ<e Frauen an der 
Saar: wir grüßen eu<hin Dankbarkeit! 
Saarbrücker oberamtlihe Verfügung betr. die Jagdausübung. 
Zu den Feudalrechten gehörte neben der Leibeigenſchaft, der gutsherrlichen Gerichts- 
barkeit, den Frohnden in erſter Linie die Ausübung des Jagdrechtes. Die nachſtehend 
abgedruckte Verfügung des Saarbrücker Oberamtes vom 29. Dezember 1792 verbietet 
namentlich die widerrechtlihe Ausübung des Jagdrechtes. Der Wortlaut der Verfügung 
iſt dieſer: 
„Jhro Hohfürſtliche Durchlaucht haben bishero, in der gnädigſten Hofnung, daß die 
St. Johanner Bürger durchg die ihnen bereits ertheilte Decreta und Verſicherungs 
Urkunden bewogen werden würden, in Anſehung der Jagd von ſelbſten ſich zu begreifen, 
auf Anrathen der Fürſtlichen Landes Regierung alle mögliche Nac<ſi<ht gehabt, und 
gnädigſt abgewartet, ob dergleichen Unordnungen ſich wiederum beylegen würden und 
dadur< der Vergehſenheit übergeben werden könnten. Da aber Hö<hſt dieſelbe mihs- 
fälligſt haben vernehmen müſſen, daß, ohnerachtet das Wildprett auf den Feldern weg- 
geſchoſſen werden, dennoh ein Theil der Bürger jage und ſogar öfters in Haufen zu 
15 bis 20 und mehreren Perſonen mit Gewehr ausgegangen ſind. und dieſe Unordnung 
nicht allein zu vielerley Unglück Anlaß geben -- ſondern auch ſelbſt dem Bürger zum 
Schaden und Nacdhtheil gereichen, So haben Höhſtdieſelbe gnädigſt befohlen dem 
St. Johanner Stadtgericht, wie hierdurch geſchiehet, aufzugeben, daß es den daſigen 
Bürgern ſo auf die Jagd gehen bekannt machen ſolle, wasmahſen Jhro Hochfürſtliche 
Durchlaucht fernerhin die bisher gehabte Nachſicht niht mehr gebrauchen, ſondern gegen 
diejenigen, welche von dem jagen nicht ablaſſen würden, zweckmähſige Verfügungen zu 
erlaſſen ſich genöthiget ſehen würde. Das Stadtgericht habe demnach an die Bürgere die 
nöthige Mahnungen zu erlahſen und dieſelbe in den Weg der Ordnung zu verweiſen, 
auch wie ſolches geſchehen ſeinen Bericht an Fürſtliche Landes Regierung zu erſtatten. 
Suaarbrücken, den 29. December 1792. 
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uh Facif
	        

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