Full text: 9.1931 (0009)

Der Dank der Heimat folgt dem mühevollen, erfolgreichen Werke der Saarvereine, 
Der Reichspräſident Hindenburg widmete ihrem Wirken in ſeinem Telegramm u. a. 
die ehrenden Worte: Dem Bund der Saarvereine ſende ih zu ſeiner 
diesjährigen 10. Tagung meine herzlichen Grüße; iM verbinde 
mit ihnen meinen Dank für die zehnjährige treue Arbeit des 
Bundes im Intereſſe des Saargebiets. J<h mödte meine Notiz über 
Trier nicht ſchließen, ohne noh der Shlußworte zu gedenken, die der Oberpräſident 
der Rheinprovinz Dr. Fuchs als Vertreter der preußiſchen Regierung formte: „Das 
Natürliche wird ſid Bahn brechen und das Unnatürliche untergehen. Wenn das Saar- 
gebiet wieder mit Deutſchland vereinigt iſt, wird der ſchönſte Tag unſerer Freiheit 
angebrochen ſein!“ 
Fort mit dem Saarunrecht, Völkerbund, dich ruft die Pflicht! 
Deutſche Srauenarbeit an der Saar. 
„Hoh klingt das Lied“ = - - 
Von Berta Sc<midt-Bickelmann in Chemnit. 
Die Saarbrücker Frauen! -- Wenn heute die ganze Welt mit Staunen und Bewun- 
derung auf das kleine Land an der Saar ſieht, das ſich von dem großmächtigen Frank- 
reich nicht unterkriegen läßt, ſo wird in manchem Herzen die Frage laut werden: was 
für Frauen und Mütter muß doh dieſes Grenzgebiet in ſich bergen? Und die Antwort 
wird lauten, im Anſchluß an ein Wort des Altmeiſters Peſtalozzi: „Die Geſchicke 
der Völker liegen in den Kinderſtuben!“ -- Das Saarland iſt ſo deutſch, 
weil -- ſeine Kinderſtuben ſo deutſch ſind! 
In der außerordentlich leſenswerten „Geſchichte des Saargebietes“ von 
Prof. Ruppersberg - Saarbrücken iſt uns das Bild der lezten Fürſtinnen von Naſſau- 
Saarbrücken einfach, wahr und anſchaulich gezeichnet; aber noh mehr als das: rührend 
und erhaben zugleich mutet uns die treudeutſche Geſinnung jener Landesmütter an in 
ſ<werſten Zeiten äußerer wie innerer Bedrängnis, 'da die franzöſiſ<e Bourbonenherr- 
ſhaft dem kleinen Nachbarſtaate auh nicht die geringſte Selbſtändigkeit mehr zuerkennen 
wollte, ja, da die naſſauiſchen Fürſten gezwungen wurden, in franzöſiſche Kriegsdienſte 
zu treten, ſo daß es allmählich Sitte wurde, die jungen Prinzen -- ſehr zu ihrem Nach- 
teil -- am franzöſiſ<en Hofe erziehen zu laſſen. Gerade da iſt es eine Saarbrücker 
Landesmutter nach der anderen geweſen, welche dur<h Peſtalozzis „Kinderſtubenpäda- 
gogik“ das Geſchick ihres Volkes lenkte, in dieſem Falle dur<h Aufrehterhaltung deutſcher 
Kultur und Sitte! 
Kaum je wird dieſer ſtillen treuen Frauenarbeit der Saarbrücker Landesfürſtinnen 
vergangener Jahrhunderte gedacht; ernſt und feierlich grüßen uns ihre Steinbilder in der 
Saarbrücker Schloßkirhe und in der St. Arnualer Stiftskirhe -- man lieſt die Namen 
und geht weiter --. 
No< weniger weiß man von den Saarbrücker Bürgerfrauen. Sie haben 
ja niht mal Denkmäler. Nur leiſe raunt die Sage. Faſt muß man ſelber aus altem 
Saarbrücker Bürgerhauſe ſtammen, um etwas Näheres von dieſen leidenſ<aft- 
[i< deutſchen Frauen zu wiſſen. Was haben ſie doh geleiſtet in den Auguſttagen des 
Jahres 1870, da die heiße Shlaht um die Stadt tobte! =- No<h höre ich meine Groß- 
mutter erzählen; ſie wurde nie fertig mit Erzählen: Krieg, Kriegsgeſchrei, =- ſo ſind wir 
Saarbrücker Kinder der 80er Jahre aufgewachſen. Etwas anderes gab es, ſcheint es, in 
Saarbrücken nicht zu erzählen. Der Begriff „Vaterland“ brauchte in uns nicht künſtlich 
gezüchtet zu werden; in .Saarbrücken redet jeder Stein vom lieben Vaterland. Am 
8. Auguſt, dem Jahrestage der Spicherer Schlacht, zogen alle Schulen nach dem „Ehren- 
tale“, dem wunderbar ſtillen, friedlichen StückHen Erde, welches die Toten nach der 
heißen Schlacht aufnahm. Ein Frauengrab unter all den Soldatengräbern. Es iſt das 
Brab 'der braven „Sculze-Kathrin“, des ſchlichten Saarbrücker Dienſtmädhens, das auf 
dem „Rotenberge“ in den dichteſten Kugelregen hineinging, eine Bütte Waſſer auf dem 
Kopf, die Verwundeten labend, den Sterbenden den letzten kühlen Trunk ſpendend! -- 
Lieb Heimat, dachte ich immer an dieſem Grabe: was tun wir für dic<? --
	        

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