Full text: 8.1930 (0008)

Saarkalender für das Jahr 1930 
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Verbeſſerung der ſtädtiſq<en Finanzen im 18. Jahrhundert. 
Wenn heutzutage der ſtädtiſche Haushalt einen Fehlbetrag aufweiſt, ſo müſſen ent- 
weder die Steuern und Abgaben erhöht: oder eine Anleihe aufgenommen werden. Im 
18. Jahrhundert harte man ein anderes Mittel, nämlich den Verkauf von ſogenanntem 
Holländerholz aus den ſtädtiſchen Waldungen. Die Regierung des Fürſten Wilhelm 
Heinrich) hatte im Jahre 1741 mit mancherlei Anforderungen an die Städte begonnen, 
die infolge der langen Kriegszeiten in ihrem Aeußern vernachläſſigt waren und keinen 
erfreulichen Anblick boten. Als im Jahre 1745 die fürſtliche Regierung von den beiden 
Städten einen Beitrag zu den 500 Gulden betragenden Baukoſten der Gefängniſſe unter 
den Schloßwachthäuſern verlangte, wieſen die Vertreter der Städte darauf hin, daz ſie 
ſeit einigen Jahren durch Reparierung derer Stadtgaſſen und Marktplätze, 5ur< An- 
ſchaffung koſtbarer Feuerſprigen und anderes große Ausgaben gehabt hätten, und bater 
um die Erlaubnis, aus den Stadtwaldungen je 100 Holländerſtämme zu verkaufen, „aus 
welchen etwas Erklecklihes zur Erleichterung beider Bürgerſchaften erlöſet werden 
könne“, und „verharrten in Hoffnung gnädigſter deference (Willfährigkeit) mit ſub- 
miſſeſter Veneration als Ew. Hochfürſtlihen Durchlaucht untertänigſt treu gehorſame 
Vorſteher beyder Städte.“ 
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Das ganze Deutſchland ſoll es ſein! 
Jener Sturmſinn, der das Kleine hinwegfegt, jener Donnerſchlag, in dem die Stimme 
des Großen zu uns ſpricht, ſie werden da ſein in jenem Augenblick, da Oeſterreich von 
dem allen Völkern verheißenen Selbſtbeſtimmungsre<ht Gebrauch machend, ſich dem großen 
deutſc<en Mutterlande anſchließen wird. Dann geht ein brauſender Jubel durch die Lande, 
vergleichbar mit dem, wenn der lette Beſatzungsſoldat deutſchen Boden verlaſſen haben 
wird; an jenem Tage, an dem das Rheinland, die Pfalz und das Saargebiet wieder 
unſer ſein werden. Es gibt keinen Deutſchen, der nicht in dieſer Forderung -- der Ver- 
einigung Oeſterreichs mit Deutſchland und dem Abzug der Beſatzung -- das nationale Ziel 
des deutſchen Volkes ſieht. 
Dr. Radbrud, früherer Juſtizminiſter. 
(Feier des Verfaſſungstages im Reichstag 1928.) 
Unſer nationales Unglück hat die inneren Riſſe in unſerem Parteileben vertieft und 
neuen Stoff des Haders hinzugefügt, und doch geht durc<h alle Parteien und Richtungen 
des öffentlichen Lebens ein verbindender, gemeinſamer Pulsſchlag, das Bewußtſein, daß 
alle Deutſchen diesſeits und jenſeits der durch den Verſailler Frieden gezogenen Reichs- 
grenze eine naturgeſchaffene geiſtige Gemeinſchaft bilden. 
Prof. Dr. Friedrich Meinecke, Berlin. 
Miike bent 
Wie einſt -- ſo heut! 
Heinrich v. Treitſchke ſagt in „Deutſchland nach dem Dreißigjährigen Kriege“: 
„ - - Das heilige Reich blieb durch ſeine Shwäche, wie einſt durch ſeine Stärke, 
der Mittelpunkt und die Grundlage des europäiſchen Staatenſyſtems. = =- -- Eine ſtille 
Berſhwörung des geſamten Auslandes hielt die Mitte des Feſtlandes gebunden. Die 
Fremden lachten der querelles allemandes und der misere allemande; der Franzoſe 
Bonhours ſtellte die höhniſche Frage: ob es möglich ſei, daß ein Deutſcher Geiſt haben 
könne? Niemals früher war die Nation von den Nachbarn ſo tief verachtet worden.“ 
Na, durch unſern überaus ſcharfen Intellekt ſind wir ja glücklich wieder ſo weit. 
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