Full text: 8.1930 (0008)

Saarkalender für das Jahr 1930 
Fre 
Auf der Ludwigshafener Rheinbrücke vor 10 Jahren. 
Jeder Deutſche, der Ende 1918 und noch 1919 mit Gepäck die Ludwigshafener Rhein- 
brücke zu paſſieren gezwungen war, um nach der Pfalz und der Saar zu gelangen, wird 
noh heute mit bitterem Gefühl an jene Zeit denken. 
Von Karlsruhe kommend, langte i< anfangs Februar 1919 auf dem Mannheimer 
Hauptbahnhofe an. Jh war vollkommen in Unkenntnis über die Schwierigkeiten, die 
meiner harren ſollten. 
Am Bahnhof ein Dienſtmann mit langem Gepäckdrückkarren. „Welle Se niwwer?“ 
fragte er mich. -- Ih bejahte. Schon verſtaute er mein Gepäck auf dem Karren und 
dann zackerte er, gefolgt von einer kleinen Schar Gepäcbeſitzern, los. Jh dachte: Na, das 
geht ja famos! Am Eingang zum Brückenvorplatz hielt der Mann und fragte mich: „Habbe 
Se e Brickeſc<hoi?“ - „Ih e Brickeſ<oi? J< weiß von nix!“ war meine Antwort. 
Darauf der Andere: „Ja--a, wie welle Se denn niwwerkomme! -- Ohne Schoi mal nette! 
(Wachtig tuend.) Die Sache is net ſo eifach. =- Da miſſe's zuerſchd in de . . . ſtroß un ſich 
änne holle. -- (Flüſternd): Wiſſe Se was? Gebbe Se mer 20 MKk., un ich gebb Ihne änne. 
(Ic<h zauderte.) Welle Se odder welle Se nette? = Sunſchd leihe Se in Monnem zwei, 
drei Dah un verſaufe 100 Mk!“ 
IH gehe nicht gerne krumme Wege, aber um das Verfahren abzukürzen, willigte 
ich ein und erhielt einen Zettel in die Hand gedrückt. Nach dieſem war ich auf einmal der 
Schuhmacher S. aus Pirmaſens. „Jetze miſſe Se nurre frech ſin“, belehrte mich noch- der 
Karrenmann und ſchon drückte er den Gepäckwagen vor das Brückenhäuſel, wo ein 
franzöſiſcher Sergeant bei ſeiner Wache ſtand. Das Gepäck wurde abgeladen. „Ouvrez vos 
malles, s'1] vous plait“, ſagte der und ging in ſein Häuſel, vor dem ſtarken Regen Schut 
ſuchend.“ „Uffmache! Ihr miſſen uffmache!“ verdolmetſchte überflüſſigerweiſe der Dienſt- 
mann. 
Schon machten wir die Koffer auf und nun ſc<hneite und regnete es unbarmherzig 
auf die paar armſeligen Kleider und Wäſcheſtücke, die man damals noch hatte. Als die 
Sachen genügend eingeſumpft waren, kam der Sergeant zur Reviſion,. beſah ſich ober- 
flächlich die Beſcherung und ſagte: „Bon, fermez!“ Nun fing der Dienſtmann wieder an 
zu treiben: „Los, los! Rin mit dem Zeigs, daß mir niwwer kumme!“ -- Was blieb uns 
anderes zu tun übrig, als die quatſchnaſſen Sachen in die Koffer zu ſtopfen und dieſe zu- 
zuſperren. Schon hatte der Dienſtmann ſie wieder auf dem Karren und drückte über die 
Brücke. Die Brückenkontrolle machte keine Schwierigkeiten. Auch der Schuhmacher S. 
aus Pirmaſens durfte anſtandslos hinüber. Auf der Ludwigshafener Seite wartete ſchon 
der Dienſtmann, forderte erſt hier die 20 Mk., gab mir mein Gepäck und nahm den 
Paſſierſchein wieder ab. In einem ſtädtiſchen Büro dann langes Polonaiſeſtehen zwecks 
Beantragung des Fahrkartenſcheins. Es gab hier noh einen Kritiſchen Auftritt allererſter 
Ordnung, als der Beamte von mir den Brückenpaſſierſchein verlangte. Doch der dienſt- 
eifrige Pfälzer ließ mit ſich „redde“. J< kam in die Liſte. Am nächſten Tage konnte ich 
den Schein in Empfang nehmen, die Fahrkarte löſen und heimdampfen. Ep. 
Aememnenentenmmnn-5 emen 
Vom Klapperſtorc<. Ein Lehrer aus dem Kreiſe Merzig ſchreibt dem „Saarkalender“: 
In der Nähe unſeres Dorfes war eine Strohmiete niedergebrannt durch die Unachtſam- 
keit einiger Buben, die mit Streichhölzerr' ſpielten. J<H hatte die Pflicht, meine 
Schülerinnen im Alter von neun bis zehn Jahren zu warnen vor leichtſinnigem Umgehen 
mit Streichhölzern. Jede Schülerin ſollte über die Belehrung einige Zeilen niederſchreiben. 
Hier ein Reſultat meiner Bemühung von der. kleinen, ſonſt recht geweckten S. R.: „Brände? 
werden in vielen Fällen von Kindern verurſacht. Dieſelben entſtehen durch Unvorſichtigkeit, 
Leichtſinn und Spielerei.“ 
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