Full text: 1930 (0008)

Sqgarkalender für das Jahr 1930 
Sreundliche Einladung. 
Eine Jdylle aus der Fürſtenzeit. 
Von Screinermeiſter C. Schumann-Saarbrücken. 
Jm Walde Warndt der Müller von Karlsbrunn, ein Kerl, dem Leibeigenſchaft und 
Hörigkeit fürſtlicher Anmaßung, Dinge waren, die er nur vom Hörenſagen kannte und 
woraus ex ſich ebenſowenig machte, wie ſein Eſel im Stall. 
Der wiederum war Keiner von jener zartbeſaiteten Art, denen man mit dem Ruf, 
Eſlein ſtreck dich!, nur blanke Golddukaten hervorlockt, ſondern ein rechter, e<ter Müller- 
eſel, der wußte, was er ſich und ſeinem Herrn ſchuldig war und was man von der Geſund: 
heit unſerer einhufigen Haustiere nicht anders erwartet. 
Den führte unſer Müller mit allem andern Hausgetier jeden Morgen und Abend in 
ſeinem Hof zum Brunnen, pumpte ihnen dort den ſteinernen Trog hübſch voll blinkenden 
blanken Quellwaſſers, daß jedes ſich nac< Herzensluſt daran zu laßen ſich nicht genug tun 
konnte, um dann ſelbander wieder zur gewohnten Krippe im Stalle zu trotten. 
Zwiſchendurch ſcheuerten an demſelben Brunnen die Mägde die Milchkannen oder 
ſpülten das Butterfaß, das der alte Großvater neben dem mächtigen Kamin ſo gut zu 
gebrauchen verſtand, daß die Molken die ſchönſten und ſaftigſten Butterklumpen abgaben. 
Und ſo wäre ſtill aber kraftvoll alles in innigſter Harmonie und Zufriedenheit, wie 
ſeit Jahrhunderten auch noH Jahrhunderte weiter gegangen, wäre nicht der harte Ruf 
des Knechtes eines Tages zwiſchen das Klappern der Mühlſteine gefallen, wie der ſpitze 
Knall eines ſharfen Schuſſes in das Singen des Waldes: „Die Pump geht nit mehr!“ 
Dem Müller, dem das dumpfe Rollen der Räder mehr in den Ohren lag, wie eine 
iolche Möglichkeit, hantierte ruhig an ſeinen Säcken weiter, blies nur ab und zu mit 
ſchiefem Mund den Mehlſtaub von der Naſe, bis auch ſeine Frau von der Tür her ihn 
mit Winken und Schreien darauf aufmerkſam macdcte, daß da etwas nicht in Ordnung ſei. 
Aufnahme von Pax Wenk 
Felsgebilde auf dem Großen Stiefel bei St. Jngbert. 
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