Full text: 8.1930 (0008)

Saarkalender für das Jahr 1930 
wa; 
als ich beim nächſten harten Schlag im trüben Licht der Lampe etwas Weißes ſchimmern 
ſah. Zunächſt glaubte ich, es ſei eine der blinkenden ſilbernen Kohlenadern, den nächſten 
Schlag ſchon führte ich direkt an die glißernde: Stelle. Plößlich ſah ich, daß ſich tatſächlich 
ein Stück Papier mitlöſt. JH werde ſtutzig. Ih greife die Lampe und leuchte die Stelle 
genau ab. Zu meinem größten Schrecken ſtelle ich feſt, daß noh ein ganzer Schuß, der 
beim vorigen Schießen nicht mit losgegangen war, dort ſteckte. Nur millimeterbreit war 
der ſtarke Hieb des ſpizen Pickels danebengegangen. Hätte ich die ſteckengebliebene 
Ladung getroffen, ſo wars um mich geſchehen. Zu Fetzen hätte mich dieſer Schuß zerriſſen 
und der überhängende Felſen hätte die lezten blutigen Reſte von mir zugedeckt. In ſtiller, 
ſtummer Dankbarkeit zog ih das Roſenkranzſtük aus meinem Wams und dankte der 
göttlichen Vorſehung, die dieſe ſ<were Gefahr ſo gnädig von mir abgewandt hat. Heute 
noch ſchwöre ich darauf, daß das Roſenkranzſtück, das ich ſo achtlos am Wege fand, mein 
Retter geweſen iſt.“ 
„Ein anderer Fall, der leider einen unglücklihen Ausgang nahm. Schon jahrelang 
arbeiteten wir zuſammen, der Kriſchan und ich. Er war ein braver, treuer Kerl. Ein 
Schaffer wie ſelten einer. Sechs hungrige kleine Mäuler hatte er zu verſorgen. Da mußte 
geſpart werden, denn Auslagen für Kleider und Schuhe uſw. waren ſtets zu machen. Wir 
fuhren zuſammen zur Mittagsſc<hi<ht. Schnell bringt der Shachtkorb uns in die Tiefe. 
Beide gehen wir zuſammen zur Arbeitsſtelle. Ueberall ein unheilvolles Raunen im 
Stüßgebälk. Dort kniſtert und knackt ein ſchwerer Stempel, dort ä<hzt unter der ſchweren 
Laſt eine Bank, ſchmutzige ſchwarze Grubenwaſſer gluckſern träge zum Schacht oder zur 
Pumpe. Kein Wort wird geſprochen. Schweigen. -- Kriſchan geht mit ſc<hwankendem, faſt 
unſicherem Gang und irrlichtender Grubenlampe ein gut Stück vor mir. Immer noch 
Schweigen. Nur das Gebirge ringsum raunt und droht. In unwirklichem Glanz bricht ſich 
„as trübe Lampenlicht in ſilbernen Kohlenadern. Stempelkniſtern, rieſelnder Geſteinſtaub. 
Anſicht der Grube Velſen im Roſſeltal. 
WW, |)
	        
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