Full text: 7.1929 (0007)

Saarkalender für das Jahr 1929 
  
Schauſpielhaus, Pferdeſtall, Heuſpeicher. 
Von der anerkannten Höhe der Leiſtungen unseres heutigen Theaters blicken wir 
gerne zurück in die Theatergeſchichte der Schwesterſtädte. Eine unscheinbare Knoſpe hat 
ſich zu einer bewunderten Blüte entfaltet trotz aller Ungunſt der Zeit. Vor hundert Jahren 
§51. ourde der Same ins Land getan, er brauchte lange zu seiner Entwicklung, aber die 
Frucht iſt da. 
Schier endloſe Kriegszeiten waren 1815 mit der Befreiung vorüber; aus kläglich ver- 
armter Lage rang sich langſam der Fleiß der Bevölkerung wieder zu einem gewissen Wohl- 
ſtand empor und mit ihm das Bedürfnis nach Kunst. Die schönen Muſentempel der 
  
Fürſtenzeit lagen wie die herrlichen Schlösser, durch die Franzosen niedergebrannt und 
ausgeraubt, in Schutt und Trümmern. Mut und Kraft hatte die Bevölkerung des Saar- 
gebietes nicht verloren, aber es fehlte an' klingender Münze. Die Ackerwirtſchaft der 
Städte sicherte wohl ein Leben ſchlecht und recht, aber Reichtümer ließ sie, wie heute 
noch, nicht sammeln. Pioniere der Kunſt erschienen bereits einige Jahre nach unserer Rück- 
kehr zum Vaterland. Sie waren gewiß sehr beſcheidene, aber ſicher auch mutige Leutchen, 
die es wagten, hier für ihre Kunst zu werben. 
Wo aber sollte Thalia sich niederlaſſen? Man ſchlug die Bretter, die die Welt be- 
deuten, in der fürstlichen Reitbahn auf. Sie war der Zerſtörungswut der Gallier wohl 
nur entgangen, weil man sie als willkommene unterkunft für Pferde benutzte. Auf 
äußeren Prunk ist man wohl bei der Herſtellung des Theaterraumes wenig bedacht ge- 
weſen. Holzbänke genügten der genügſamen Menge. Da saßen vor hundert Jahren die 
 
	        

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