Full text: 7.1929 (0007)

Saarkalender für das Jahr 1929 
Es taucht unter denen, die wohl am schwersten durch ihre Verbannung getroffen 
wurden, Chefredakteur R icha r d Po ss e l t auf. Nach langer Jahre Trennung drücken 
wir uns bewegt die Hand. Amt, Haus und Hof in dem ihm so lieb gewordenen Saar- 
brücken hat er durch die Franzosen eingebüßt. Warum? JIhn trifft kein anderer Vor- 
wurf, als daß er sich als deutscher Offizier im Weltkrieg auszeichnete und keinen 
Finger breit von deutscher Ehre wich. Heute, trotz aufreibender, reicher Berufsarbeit, 
weiht er sich uns in seiner temperamentvollen Art. Ehrenamtlich redigiert 
er d en „Sa arf r e un d“, weil ihn das Herz zum Dienste unserer Heimat zwingt. 
Vieles und von vielen möchte ich hier noch melden, aber der Raum in diesem 
Büchlein iſt auch für mich eng umgrenzt. Nur in großen Strichen das Ganze umreißen, 
nur Streiflichter kann ich geben, die in gegenseitiger Aussprache und Aufmunterung 
eine lebendige Quelle für neuen Arbeitsmut offenlegen. 
Im engeren Kreiſe der führenden Persönlichkeiten erfolgt das Feſtlegen des. 
weiteren ſtrategiſchen und taktischen Vorgehens zu neuen Erfolgen. Bei dieſer Gelegen- 
heit ernennt der Vorstand drei Mitkämpfer zu Ehrenmitgliedern des Saarvereins, die 
Pfarrer Dr. Schl ich und Be ck e r. Auch meiner bescheidenen Person wird liebens- 
würdig und nachsichtig in derſelben Weiſe gedacht. Aus innerem Bedürfnis möchte ich 
auch an dieser Stelle nicht verfehlen, für die freundwillige Ehrung meinen herzlichen 
Dank zum Ausdruck zu bringen. 
Was soll ich sagen von der öffentlichen Verſammlung am 14. August, in der die 
hinreißende Beredsamkeit der Pfarrer Reichard und Bungarten tausende von 
Würzburger Bürgern zu begeiſterten Ovationen fortriß. Jeder ging von dannen mit 
. der Ueberzeugung: kein treuerer Volksſtamm hat je gelebt als die Deutschen an 
der Saar. ; 
Der Heerſchau der Saarvereine danken wir wiederum unvergeßliche Stunden. 
Wer auch nur einen flüchtigen Blick in die vielseitige Arbeit dieſes Bundes getan 
[Zentrale Berlin SW. 11, Königgrätzerſtr. 94), staunt über seine Leiſtungen. Den Ver- 
triebenen iſt er mit Rat und vor allem mit der Tat beigesſprungen. Er half und war 
die willkommene Zufluchtssſtätte der Opfer fremder Willkür. Sein Aufbau sollte All- 
deutschland geradezu ein Vorbild sein. Hand findet hier die Hand des Bruders, über- 
parteiliche sachliche Tätigkeit vereinigt Angehörige der verſchiedenſten Stände und 
Parteien, ob sie auch in ihrer weltanschaulichen Vorstellung weit voneinander ab- 
weichen. Man lernt hier den politisch, wirtschaftlich und kulturell Andersdenkenden: 
kennen, schätzen und arbeitet heilvoll gemeinſam an der Abschwächung und Ueber-. 
brückung unseliger Gegensätze. Ueber den Alltagsstreit hinweg rankt ſich da der-: 
Gedanke einer tieferen Volksgemeinschaft empor und blüht in Taten für unser ſturm- 
umtobtes Tal und damit für das Vaterland. Wir wissen, daß wir dem Bund der Saar- 
vereine viel, viel Dank ſchulden, jeder sei Mithelfer am Werk! In den heute noch nicht 
voll geklärten Verhältnissen des Reiches appelliert die Zeit vor allem an unsere Kraft.. 
Gedenken wir in der Bedrängnis des Wortes: Wer ſich selbſt nicht helfen will, dem. 
kann auch ein Gott nicht helfen! 
Heimaterde. Muütterliche Heimaterde, 
Deutschen Wesens Inbegriff. 
Dir vertrau’ ich Halm und Herde 
Und verfrachte froh mein Schiff! 
Treibt es dann auf ſchwanken Wogen, 
Schimmert fern dein grüner Port; 
Und von Zauberkraft gezogen 
Strebt der Kiel zum Hafen fort. 
Darum bleib’ ich dir verbunden, 
Heimatgrund, mit Sein und Hab. 
Schenk’ mir Kraft in trüben Stunden 
und ein Plätzchen auch ~ fürs Grab! a. zorn, saarbrücken 
Mme
	        

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