Full text: 6.1928 (0006)

Saarkalender für das Jahr 1928 
Samen enertnn CI LIMA 
  
Nach treulicher Erfüllung seiner Dienstzeit erhielt der Soldat seinen „Abkehrſchein“ 
und wurde zur Landwehr - Reserve in die Heimat entlassen. 
Mir liegt ein alter Entlaſsſungsschein vor, den ich auszugsweise hier bringen mill. 
4tes Garde - Landwehr - Regiment. 
2tes Bataillon (Coblenz’sches) 8te Compagnie. 
Der Garde - Landwehr - Grenadier To h ann Font a in e, geboren den 11ten Sep- 
iember 1818 zu Fr aul aut er n im Kreis Saarlouis, Regierungs-Bezirk Trier, welcher 
vom 1ten Dezember 1838 bis den 1ten Oktober 1841 bei dem Königl. 1ten Garde-Regt. 
zu Fuß gedient hat und am Iten Oktober 1841 zur Reserve entlaſſen worden ist. wird 
nunmehr auf weitere Ordre, nach seinem Wohnort Fraulautern, Kreis Saarlouis, Reg.- 
Bezirk Trier, zur Garde-Landwehr in der Voraussetzung entlassen, daß er sich auch in 
seinen bürgerlichen Verhältnissen der Auszeichnung werth mache, die ihm in militärischer 
Hinsicht durch seine Versetzung zur Garde-Landwehr geworden iſt. Gehorsam gegen Orts- 
und Landesobrigkeit, pünktliche Befolqung vorhandener Gesetze, s it t liches und 
wahrhaft anständiges Betragen, liebreiches Benehmen gegen 
s eine Mitbürger, müssen nicht allein ih m, sondern bei gemeirſschaftlichem 
Hinwirken der Garde-Landwehr bald eine allgemeine Achtung erwerben, wog eg en 
aber Un geh orsſ am, Lied erlichkeit und Anmaß ung nicht allein ihm, 
sondern auch dem Truppentheile, dem er dann unwürdig zugehört, zur Lasſi fällt. Seine 
Ausstoß ung aus d em selben ist die unvermeidliche Folge eines schlechten Be- 
tragens, so wie die hierin liegende Beschimpfung vor ollen seinen Landsleuten u. s. w. 
Zum Schluß heißt es dann: Der Landwehrmann gehört dem Lande, so wie dem 
Soldatenstande; die in der Landes-Verfassung geltenden Gesetze ſind in seinen bürger- 
lichen Verhältnissen die seinigen; bei militairiſchen Zusſammenberufungen, in Beziehung 
zu seinem Kreis-Feldwebel und den Offizieren, sind es die Kriegs-Artikel. 
Sein steter Wahlspruch sey: 
„Mit Gott für König und Vaterland!“ 
Er trage ihn im Herzen, dann wird er im Krieg wie im Frieden, 
die Hoffnung, der Troſt seiner Mitbürger seyn, und sein Ge- 
mwiſſen ihm im ſpäten Alter fagen : ' ' y 
„Ich war der Ehre werth, der Gar de-Land wehr zuzugehören. 
Gegeben C o bl en z, am 1ten November 1843. 
Der Landwehrmann war nun jedes Jahr zur Leistung bestimmter Uebungen ver- 
pflichtet. Die Exerzierplätze zu diesen Uebungen mußten so gelegen sein, „daß niemand 
sich mehr als drei Stunden von seiner Heimat zu entfernen hatte. Die vorher gebräuch- 
liche Ausleihung der Pferde zu Kavallerieibungen, welche bis um 1820 vom Staate 
geftellt wurden, konnte dieser „wegen der hohen Koſsten“ nicht mehr weiter bewerk- 
stelllzen und man griff dann zu einem höchst einfachen Mittel. Jeder Landwehrmann, 
„Der selbſt oder deren Väter 3 oder mehrere Pferde halten, wird gesetzlich verpflichtet, 
sich mit einem Pferde der Kavallerie-Landwehr seines Bezirks zu stellen.“ Was an der 
Vollzähligmachung des nötigen Bedarfs noch fehlte, wurde anfangs den Gemeinden als 
„Kommunallaſt“ auferlegt, um dann später an den „Wenigstnehmenden“ öffentlich in 
Verding zu gehen. Die Uebungen, deren Dauer zwischen einem Tag bis zu sechs Wochen 
schwankte, bildeten jedesmal ein Ereignis für die ländliche Bevölkerung und waren oft 
der Anlaß zu manch unfreiwilligem Humor. So sollte da in einem Dörfchen des Saar- 
tals ein Rekrut zur achttägigen Uebung einrücken. Beim „Abschied“ ruft ihm nun sein 
Mütterchen unter Tränen zu: 
. gjGrterchiy. zorn dau allweil sollſcht Karporal wirren, dann striz (quäl’) mir nuren 
nit die arem Leit ſo!“ 
Die Uniformierung mußte jeder Landwehrmann selbſt übernehmen. So bringen 
?!§ jgutelizensblztter! des Kreises Saarlouis folgende, uns heute ergötzlich anmutende 
ufforderung: 
„Die Husaren des 2ten ſchlesiſchen Huſaren Regts. sind angewiesen, sich Büſche von 
w e i s en Pferdehaare selten ſind, ſo werden ſämtliche Eigenthümer von Pferden von 
weiſen Pferd eh a ar en zur Verzierung ihres Tschakos anzuſchaffen; da diese 
dieser Farbe eingeladen, aus den Möhnen unt denen Schweifen soviele Hacce auszu- 
ſchneiden, als ohne die Pferde zu verunſtalten füglich geſchehen kann und diese Pferde- 
haare gegen Bezahlung hieher zu schicken, die Herrn Ortsvorſteher sind erſucht, dieſelben 
Eigenthümer weiſer Pferde bekannt zu machen.“ 
  
  
  
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