Full text: 6.1928 (0006)

saarkalender für das Jahr 1928 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
Namen Grad Regt. g tu: drt Was aus denselben geworden 
Wiesel Hubert Gem. | 46. frz. Juft.-ieg. | Hülzweiler | gest. zu Simbirſk 
Wirz Joh. Wilh. H 10; , clp | ».. #„..Schitotnir 
Kleymann Heinr. j 46. .,, j» | j | ij i 
Gebert Joh. Pet. k 4. „. Kür.-.;, +] Bous [ % a Woroneſth 
Polms Gilles j 48. „ Intt.- , Elm | j: “Fatliita 
  
  
Nach der Uebernahme unseres Gebietes durch Preußen 1815 wurden mit der Ver- 
waltung auch allmählich die verſchiedenen preußischen Gesetze eingeführt. Gemäß den 
Bestimmungen des Pariser Friedensvertrages von 1815 wurde es den Bewohnern des 
Kreises Saarlouis freigestellt, innerhalb sechs Jahren nach Frankreich auszuwandern. 
Wer nun bis zum 20. November 1821, dem bestimmten Zeitpunkte, nicht um die Er- 
laubnis zur Auswanderung nachgeſucht hatte, war von dieser Zeit an unbedingt zur 
Erfüllung der Militärdienstpflicht gezwungen, „welche die Gesetze jedem preußischen 
Staatsbürger ohne Unterschied auferlegen“. Wenn sich jemand dieser Pflicht entzog, so 
wurde das geſamte Vermögen vom Staate konfisziert. Außerdem mußten die jeweiligen 
Gemeinden für jeden Entwichenen Ersatz leiſten, d. h. ein anderer Einwohner wurde 
eingezogen. (1821.) An manchen Orten war es zudem noch Sitte, daß die Namen der 
Flüchtigen am Dorfgalgen angeheftet wurden. Daß dieſes auch in unserer näheren Um- 
gebung geschah, beweist folgendes: 
„Durch kriegsgerichtliches Allerhöchſt beſtätigtes Erkenntniß sind An dr eas 
Schneider aus Berus, Unteroffizier des 35. Inft. Regts. und Salme 
Na de aus Saarwellingen, Musketier im 40. Inft. Regt. als Deserteure 
mit Anheftung ihres Namens an d en Galgen und Confiscation ihres ge- 
ſamten auch künftigen, Vermögens verurtheilt worden. Was hiermit zur War- 
nung Anderer öffentlich bekannt gemacht wird.“ : 
(Aus einer Bekanntmachung des Landrates von Saarlouis am „7. Jänner“ 1823.) 
Jedenfalls waren diese Deſertionen jedoch ziemlich selten, da uns ein „Extract“ 
des Königs von Preußen vom Jahre 1820 die vollſte Zufriedenheit über den Zuſtand 
der rheiniſchen Landwehr ausdrückt und worin der König besonders ,die große Bereit- 
willigkeit bei der Einberufung zu den Uebungen“ hervorhebt. 
Bis zum Jahre 1820 mußten sich die militärpflichtigen jungen Leute zur Aus- 
muſterung nach Trier begeben. Die tauglich befundenen Rekruten sammelten ſich dann 
im Heimatort und zogen auf „Schusters Rappen“, d. h. soweit sie nicht zur Kavallerie 
ausgehoben und Söhne reicher Bauern waren, nach ihren Garniſonorten. Wenn man 
nun bedenkt, daß ab und zu Rekruten zur Garde nach Berlin bzw. Potsdam ausgehoben 
wurden, die dann den gesamten Weg von unserer Grenzmark bis zu dieser Garnisſon- 
ſtadt zu Fuß machen mußten, so ergibt ſich uns eine gute Vorstellung über die Verhältnisse 
der sogenannten „guten alten Zeit“. Eine Verpflegung auf dem Marſche wurde höchstens 
für zwei Tage bewilligt, von da an mußten sich die Rekruten selbſt beköstigen. Daß der 
Zuſtand der in der Garniſon angekommenen jungen Vaterlandsverteidiger nicht besonders 
kiptwandfret war, erhellt aus folgender, in ihrer Auffassung etwas eigentümlichen Ver- 
ordnung. 
„Eine mehrjährige Erfahrung hat bewiesen, daß von der so verderblichen Aug en - 
krankheit größtenteils die Ersatzmannſchaften befallen werden und hat dieser Umſtand 
zu der von den Aerzten als richtig anerkannten Vermuthung Veranlassung gegeben, 
daß die Rekruten in der späten herbstlichen Jahreszeit bei den Truppen eintreffen; mit- 
. hin täglich, wenn ſie exerziert werden, der feuchten und naßkalten Witterung ausgesetzt 
sind, welche um so verderblicher auf die Gesundheit dieser Leute einwirken muß, da sie 
nur mit einem Paar Schuhen und einem Paar Strümpfen bei ihrem 
Eintreffen von den Truppen bekleidet werden können.“ ; é 
In der Verordnung heißt es dann weiter, daf, sich in Zukunft jeder Rekrut bei 
seinem Abgange aus der Heimat mit einem Paar „Schuhen“ und z w e i Paar Strümpfen - 
zu versehen habe, um g eh ör i g (sie!) wechſeln zu können. 
..
	        

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