Full text: 6.1928 (0006)

  
Saarkalender für das Jahr 1928 
  
Zollanekdoten und Schmugglertricks. 
(Rund um die blau-weiß-schwarzen Grenzpfähle.) 
Der französiſche Zoll ist für uns eine jener höchſt überflüssigen Quälereien, die uns 
Hetſallies ft er jun tinmai dec und wir us, Jul die Fücntoſtn'te nicht tit rigid 
finden vorzeitig ihre Zelte abzubrechen, bis zum Jahre des Heils 1935 beglücken. 
Weil man bisher so wenig mit dem Zoll vertraut war, gab's natürlich hier und dort 
Zwiſchenfäll., teilweiſe urkomischer, meiſtens aber mehr tragischer Art. Einige dieser 
Geſchichten seren aue eigener Wahrnehmung hier wiedergegeben: 
Es war zur Zeii der Frankeninflation. Waren aller Art, gegen umgetauſchte Gold- 
mark gekauft, waren 1m Saargebiet sehr viel billiger wie in Deutſchland. Das wurde 
natürlich jenseits der Saargebietsgrenze, wo man die hochwertige Goldmark verdiente, 
sehr schnell bekanni, und bald ergoß sich ein Strom Käufer ins Saargebiet. So fährt 
auch ein bejahrtes Mütterlein nach Saarbrücken, um sich ein bißchen einzudecken. Allies 
erscheint bei der Rückfahrt gut verstaut, der Beamte an der Grenze wird ſchon nichts 
finden, denkt sie. U. a. hat sie ſich auch einen neuen Schirm geleiſtet, und da gerade 
ein trüber, regneriſcher Tag iſt, kann man mit dem Schirm schon weniger auffallen. Der 
Beamt- am Zoll beguckt sich auch das Mütterchen. „Das ist doch ein alter Schirm, 
den Ihr da habt, Großmutter“, meint er großherzig und will nichts sehen. Dem 
Mütterchen verſchlägt's vor lauter Schreck die Sprache. Erstens schon deswegen, weil 
sie überhaupt von dem Beamten angeredet, dann aber auch wegen der Behauptung, der 
Schirm sei alt. „Eich hann en nauen Scherm“, ſagt sie ganz kleinlaut. „Na, meint der 
Beamte, „gebts nur zu, der Schirm iſt doch schon älter, den habt Ihr doch ſchon länger“. 
„Wat, der Scherm ſoll alt ſinn, do heert sich awer doch alles off“ ereifert sie ſich. „Dat 
sieht doch e Elerner, daß der Scherm nau es“. „Ja, Mütterchen, wenn Jhr so darauf be- 
tehen bleibi, daß der Schirm neu iſt, dann müßt Ihr mitgehen und den Schirm verzollen“, 
ft der Beumte. Jetzt erſt, nachdem es zu spät iſt, und der Beamte schon wegen der 
Mitreisenden nicht mehr anders kann, geht der Alten ein Licht auf. Sie muß den hohen 
Zoll entrichten, und braucht für den Spott ob ihres ſelbſtverſchuldeten Reinfalls nicht 
u sorgen. 
ß ing war am deutſchen Zoll in Bruchmühlbach. Eine Frau aus Mühlbach war mit 
ihren beiden Buben nach Saarbrücken gefahren und hatte die Sprößlinge dort vom 
Kopf bis zum Fuß neu eingekleidet. Bei der Zollkontrolle fragt der Beamte: „Haben 
Sie etwas zu verzollen, haben Sie neue Sachen bei ſichr Die Frau sagt fest und be- 
ſtimmt: nein. Sie hatte aber nicht mit der Tücke des Objekts gerechnet, denn plötzlich 
platzt dec älteſte ihrer Jungen heraus: „Mir ware awer no Saabrigge gefahr, on hann 
neie Schuh on neie Anzich grieht“. Allgemeines Gelächter der Mitreiſenden, selbst der 
gollbeamte lachte mit, aber die Frau mußte wegen dieser unbedachtſamen Arußerung 
ihr.s Sprößlings die ganzen Sachen verzollen. So war der Profit und noch mehr dabei 
verloren. 
In der Zoellhalle zu Einöd. Alle Reisenden müssen an der Rampe die mitgeführten 
Behältnisse wegen der Unterſuchung öffnen. Dieser schließt seinen Koffer, jener ſchnürt 
ſein Paket auf. Und jeder, der passieren kann, erhält das bekannte Kreidezeichen an 
ſeinem Gepäckstück. Eine junge Frau hat als einzigen Unterſuchungsgegenſstand lediglich 
ihre Markttaſche, die dicht mit Salat gefüllt iſt bis obenauf. Selbstverſtändlich wird 
auch die Taſche unterſucht, und dabei findet ſich, daß in dem Salat vier Päckchen 
Schrauben versteckt waren. „Gomme Sie mit“, ſagt die dort stationierte französifche 
Zollbeamtin, und schon wandert das junge Frauchen in den separaten Unterſuchungsraum 
für Leibesviſitation. Nach 10 Minuten kommt fie wieder. Verweinte Augen. Tränen. 
Schluchzen. Ich frage, warum sie denn so sehr weine. „Ach, denke se mol, ne’, daß kann 
ich Ihne gar net sahn. Ich hann jo messe en das Kabinettche gehn un hann mich messe 
ausduhn. Sogar mei Hemmet hann ich messe ausduhn“. Und während sie mir das lief- 
bewegten Herzens erzählt, wird das Schluchzen und Weinen immer stärker. Ich tröſle, 
ſo gut ich kann. Alles Jammern hilft nicht, sie muß den hohen Zoll nebſt einer noch 
höheren Strafe bezahlen. Die Reingefallene wird fich wieder beruhigt haben, aber 
ſchmuggeln geht sie sicher nicht mehr. 
Es fuhr ein Mann, der in Zweibrücken einen sehr wichtigen Maſchinenteil abzuholen 
hatte, wieder zurück gegen die saarländiſche Grenze. Eine Absicht, das Eisenſtück zu 
ſchmuggeln, bestand eigentlich nicht, denn es war so lang, daß es nur mit Mühe in der 
Saarkalender 1928 : 6
	        

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