Full text: 6.1928 (0006)

Saarkalender für das Jahr 1928 
  
  
Saarländiſche Mundart in Ungarn. 
Von Fritz Kloevekorn. 
  
  
Bei Gelegenheit eines Heimatabends der in Karlsruhe wohnenden Saarländer trug 
in bereits vorgerückter Stunde ein junger Mann einige humoristische Erzählungen in 
ſaarländiſscher Mundart vor. Man merkte an der Sprechweise wohl, daß der Betreffende 
nicht unmittelbar aus dem Saarlande stammte. Da ich die vorgetragenen Humoresken 
nicht kannte und es mich lebhaft interessierte, woher der junge Mann sei, setzte ich mich 
nachher mit ihm zusammen und erfuhr von ihm einiges recht Interessante. 
Er war nämlich Student aus der Gegend von Temesvar in Ungarn und ſtudierte an der 
Technischen Hochſchule in Karlsruhe Chemie studierte. Was er da vorgetragen habe, sei 
die Mundart vieler Deutschen in seiner Heimat, die mit großer Liebe an der deutschen 
Sprache und Kultur fesſthielten. Seine Vorfahren von der Mutter her stammten aus der 
Gegend von Saarlouis, und es gäbe in der Gegend seiner Heimat in Ungarn mehrere 
Dörfer, die von ausgewanderten Saarländern im 18. Jahrhundert begründet worden 
ſeien und die die gleichen Namen trügen wie einige Ortschaften des Saargebiets. Der 
bekannte Geograph Profesſſor Metz aus Leipzig, der auch gerade anwesend war, weil er 
an demselben Tage in der Geographiſchen Geſsellſchaft in Karlsruhe einen Vortrag über 
Ungarn gehalten hatte, bestätigte diese Angaben vollkommen und meinte, daß diese Aus- 
wanderung aus dem Saarlande, die gleichzeitig mit der Auswanderung aus der Pfalz und 
Lothringen erfolgt sei, ein außerordentlich interessantes Thema wäre, das erforſcht zu 
werden verdiene. Als Auswanderungsgegend aus dem Saargebiet käme die Gegend von 
Lebach und Saarlouis in Frage. 
Die erſte organisierte deutſche Kolonisation in Ungarn fand in den zwanziger Jahren 
des 18. Jahrhunderts statt. Nachdem die Türken durch Prinz Eugen geschlagen und 
Temesvar eingenommen war, wurde vom Hofkriegsrat in Wien Franz Albert Crauſſen in 
die Umgegend von Temesvar gesandt, um dort zu sondieren, welche Teile für eine deutsche 
Kolonisation sich eignen würden. Derselbe Crauſfſfen wurde dann als Werber in den 
westlichen Teil des heiligen römischen Reiches geschickt, um deutsche Familien für die 
Ansiedlung in Ungarn zu gewinnen. Der Erfolg war ſicherlich deshalb groß. weil die Lage 
der Landbevölkerung offenbar recht ſchlecht war. In den Gebieten des Erzbiſchofs von 
Mainz, des Herzogs von Hessen, des Biſchofs von Würzburg und des K urfürſten von 
Trier sammelte er die Koloniſten. Wieviel damals ſchon aus dem Lande an der Saar 
_ fortzogen, iſt bisher noch nicht festgeſtellt. Vielleicht iſt die schlechte wirtschaftliche Lage 
der bäuerlichen Bevölkerung eine Folge der Raubkriege Ludwigs AlV., die ja in der 
Saargegend schwer empfunden wurde. Bereits im Jahre 1723 hatten ſich in Ungarn 
17 Dörfer aus angesiedelten Deutschen gebildet. Dann iſt bekannt, daß im Jahre 1725 die 
Pfalz besonders viele Auswanderer ſtellte. Bis zum Jahre 1754 sind im Banat bereits 
54 deutſche Ortschaften angelegt. 
Dieser ersten größeren Auswanderung folgten im Laufe des 18. Jahrhunderts noch 
weitere, und die späteren scheinen das Saargebiet stärker betroffen zu haben. Darüber 
ſind noch keine genaueren Unterſuchungen angestellt worden. Die folgenden Mundart- 
proben, die aus einem in Temesvar erschienenen, von Franz Amberg herausgegebenen 
Güchlein „Seppis und Hansjörchs Erlebnisse“, zweiter Teil, stammen, ſind meines Er- 
achtens ein sicherer Beweis dafür, daß gerade unsere engere Heimat einen erheblichen 
Anteil an der Koloniſation in Ungarn hat. Wenn man auch fremde, vermutlich pfälzische, 
ferner lothringiſche Bestandteile und solche von der mittleren Mosel, in den Erzahlungen 
vorſindet, so iſt doch die Mundart, wie sie in unserer Saargegend gesprochen wird, ganz 
unverkennbar. Es mögen einige Proben folgen: 
Wer is Herr im Haus ? 
„Jetz will ich doch 'mol gsiehn, ob ich net Herr in meim Haus ſin“, fahrt Matze Toni 
uf, wie 'r ſchun bal a halb Stund lang mit seim Weib gschtriert hat. F Fo. hat. Fzflh 
Febu rtsſe q pat t weir dr Vein hut g P t §: Do is 'r awr bei 
ſeim Nani gut ankumm! ,Des hat vun q,guti Freund“ nix wille wisſe ~~ un yun ener 
„Sauferei“ un „Fresserei“, wie 's ſich ausgedrückt hat, noch viel wenichr. Uf des is dr 
Toni fuchtich gin un hat sich –~ 's erscht mol im Lewe ~ getraut so ze reſſoniere un ze 
ſan, daß er d'r Herr in sſeim Haus wär. 
; 51
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.