Full text: 6.1928 (0006)

  
Saarkalender für das Jahr 1928 
Deutsch iſt noch heute Trumpf auch in der Hauptlſtadt St. Jogo de Chile. Das 
Militär iſt ganz nach unseren Grundsätzen ausgebildet und auch uniformiert. Die gefamte 
Armee -.erſcheint heute in Feldgrau. bei Paraden dagegen in altpreußiſcher Uniform: 
weiße Beinkleider, blaue Röcke und in Pickelhauben mit weißen und roten Roßhaar- 
büſchen. Die Muſikkorps führen vollkommen preußiſche Instrumentation, und ebenso 
anfeuernd wie die Musik. wird von den Truppen der Parademarſch ſtramm und ſchneidig 
durchgeführt, daß allen Deutschen das Herz im Leibe lacht. Ich sende Ihnen zum Beweise 
ein Bild von dem brillanten soldatischen Schauspiel am Nationaltag. Es zeigt die erfolg- 
reiche Arbeit des Generals Koerner, der die Armee auf eine ſo hohe Stufe zu bringen 
wußte. Nicht umsonst nennen die Chilenen selbſt mit Stolz ihre Truppen ,los prusianos 
del Sudamerikne. Wie ſtrömen alle leuchtenden Auges herbei, und wie ſellſam erregt 
sind wir jedesmal, wenn wir die von einer Uebung zurückkehrende Infanterie in präch- 
tiger Haltung durch die Straßen ziehen sehen und zwar unter den faszinierenden, alt- 
bekannten Klängen des „Torgauer“ oder „Alte Kameraden“. 
Der größte Teil der führenden Männer iſt voll ehrlicher Anerkennung, so sagte unser 
Präsident Emilio Figuroa in seiner Antrittsrede dem chileniſchen Deutschtum öffentlich 
Dank für die unermüdliche Kulturarbeit und betonte wörtlichh „Ohne das deulſche 
Element kein Chile von heute!“ Beim letzten Frühlingsfest (Fiesta de estudiantes) hatten 
wir unsere Autos mit ſchwarz-weiß-roten Flaggen geſchmückt ~ die neuen Farben 
muten uns noch zu fremdartig an ~ und überall begrüßte die Bevölkerung dieſe Wagen 
besonders freundlich mit stürmischen Rufen: Viva Alemania! Wiederholt wurden wir auch 
von den gebildeten Kreisen mit dem Deutſchlandlied empfangen. . .. Der Besuch des 
früheren Reichskanzlers Luther im vergangenen Jahre war für die Stadt ein alle be- 
geiſterndes Erlebnis, das unter Teilnahme der Würdenträger seinen Höhepunkt fand in 
der Eröffnung der deutſchen Bibliothek durch Luther. Sie reiht ſich unseren anderen 
Instituten vollwertig an. Wir haben deutſche Schulen, Kirchen beider Konfessionen, ein 
Hoſpital, dazu blühende Turn-, Sport- und Geſsangvereine, deutsche Krankenkassen, 
mehrere kaufmänniſche Vereine. ja sogar eine farbentragende Studenten-Verbindung 
„Urocania“. . 
Ich sah die herzliche Aufnahme bei dem Beſuch des Kreuzers „Berlin“ in Valparaiſo, 
ein Meer von sſschwarz-weiß-roten Flaggen grüßte unsere flotten blauen Jungen, die in 
ihrer schmucken Uniform durch die Straßen, in Reih und Glied marschierend, Soldalen- 
lieder sangen, von denen das „Kreuzer - „Berlin“ - Lied“ ein Schlager geworden iſt. Man 
hört es überall. Als wir am 2. Oktober Hindenburgs Geburtstag feierten, verſammelten 
sich über 300 Personen, unter ihnen die ersten chileniſchen Militärs in Galauniform. Zum 
Schluß der glänzenden Feier marschierten die alten deutschen Soldaten in dem weiten 
Saale an dem General Dias im Paradeſschritt vorbei, umjubelt von allen Festteilnehmern. 
Wir lieben dieſes ſtrebſame und ehrenvolle Volk, denn es hat uns während des 
Krieges, als die gesamte Meute über Deutſchland herfiel. troß allem Druck die Treue 
bewahri und uns sogar unterſtützt. Das Geschwader des Admirals Grafen v. Spee, das 
bei Coronel durch Verrat vernichtet wurde, konnte stets in aller Ruhe in den chileniſchen 
Häfen Kohlen und Nahrungsmittel faſſen. Es sind im Voterlande auch noch genug 
Mannſchaften des Kreuzers „Dresden“, die nach der Schlacht in Chile interniert worden 
ſind. Diese Leute können Bände schreiben über das anständige und entgegenkommende 
Wesen der Bevölkerung. Die Namen der 55 für das Vaterland im Weltkrieg gefalle1en 
Deutſch-Chilenen werden auf einer Bronzetafel des Bismarckturmes verewigt werden, 
mil desſſen Errichtung wir gegenwärtig beſchäftigt sind. . . . 
Englische und deutsche Worte. 
i Right or wrong, my country. „.Ich kenne kein Vaterland, das Deutfſch- 
: lancl heißt.“ (criſpien.) : 
: Men, no measures. „Ich wil] lieber mit der Maſſe irren, : 
als gegen die Maſſe recht habet t 
els. | :
	        

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