Full text: 6.1928 (0006)

Saarkalender für das Jahr 1928 
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durch Zuſammenſchluß vor dem Aufgehen in uns weſensfremde Nationen zu bewahren. 
Möge das Verſäumte durch Volk und Presse bald und kräftig nachgeholt werden. 
Die zahlreichen Briefe an den Saarkalender nach dem Eintreffen des letzten Jahr- 
buches atmen wiederum helle Freude über die Haltung des Reichskohlenwinkels. Dank, 
Gruß an die Heimat und in herzlichen Worten die Hoffnung auf baldige Erlöſung kehren 
ſtets wieder, fie zeigen, daß man uns nicht vergessen hat. Viele teilen auch mit, daß ſie 
bereits Bürger ihres neuen Staates geworden ſeien, aber des Vaterlandes stets gedenken 
und „voll Gottvertrauen an seinen neuen Aufsſstieg glauben“. Oftmals wird erwähnt, wie 
man zu Tränen gerührt worden sei, wieder einmal die Mundart des Saartales vernehmen 
zu können. Bisweilen schildert auch ein Landsmann die Lage der Deutschen in fernen 
Ländern. Hiervon möge einiges erwähnt sein. 
ytachſtehendes Schreiben aus St. Jago de Chile *) iſt für uns alle von beſonderem 
Interesſſe: „Vor langen Jahren stand ich auf einem Uebersſeedampfer in Hamburg, die 
Kapelle intonierte „Nun ade, du mein lieb Heimatland“, und ich sang den Abſchiedsgruß, 
war mir aber damals nicht bewußt, was ich alles aufgegeben, wie mit tauſend Bande: 
  
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Fiestas Patrias de Chile. Parada Militar. 
Parade cileniſcher Truppen in St. Jago am Nationalfeiertag. 
doch die Heimat fesselt und unvergessen bleibt.“ . .. , Nach schwerem Ringen führte mich 
das Glück nach Chile, das ich ſtolz das Land der Deutschen nennen möchte. Es iſt eines 
der wenigen Reiche, das trotz aller, geradezu unerhörten Treibereien der Entente uns 
freundlich gesinnt blieb. Kulturell und wirtschaftlich iſt Chile auf deutsches Wesen ein- 
ceirellt. deutiche Kunst, besonders Musik, wird hier sehr gepflegt und gefeiert. ... Vor 75 
Jahren wanderten die erſten Deutschen ein. Ihr Fleiß in der Urbarmachung von Boden, 
im Handel und Wandel iſt sprichwörtlich geblieben. Aus öder Steppe wuchsen herrliche 
Stadte und wohlbestellte Felder. In harter Arbeit und bewundernswerter Ausdauer 
haben vornehmlich Deutsche auch den Süden des Landes zu einer wahren Schatzkammer 
umgestaltet. Und dieſe Kultur hat uns durch den vornehm und gerecht urteilenden 
hyilenen Ansehen erworben in einem Maße, wie es alle anderen Ausländer bei weitem 
nicht erreicht haben. 
*) St. Jago de Chile hat 500 000 Einwohner. 
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