Full text: 6.1928 (0006)

saarkalender für das Jahr 1928 
  
Heiteres vom Saargebiet 
aus alter und neuer Zeit. 
Geſammelt und bearbeitet von A. 53. 
26. 
„Der begehrte Kuhſtall.‘\ 
„Bei brennendem Lichte“, ſagen die Akten, wurden am 25. 4. 1822 die Arbeiten für die Herſtelung eines 
katholiſchen Schulhauſes in Dölklingen vergeben, nach Beſchluß ſollte auch ein Stall an das neue Schulhaus 
angebaut werden. Gegen dieſes „bedeutende“ Projek1 aber cryhoben drei Dölklinger Einspruch, nämlich die Ein- 
wohner: Georg Wagner, ſchmiedts Konrad Bartel unt baſtian Reithler; dem Schreiben dieſer drei ſchlog fich auch 
der evangcliſche Pfarrer Zickwolff an: 
„Dölcklingen d. 28 Abrill 1822; Wir unter ſchriebene unter törfer Dölcklingen Haben Gehört, das ein 
Stall solte gebauet Werden an das Derkauften Michel Zimmer Mans Hauß, und der Versſpert uns den 
Weg Dor Zu unſern Heuſer zu Fahren. 
Wir biten den Gemeinten Vor Stant das ſie uns den Weg erhalten möge Dor zu unsern ſachen zu- 
fahren. “ : 
Bereits im November waren die baulichen Kenderungen und Einrichtungen fertiggeſtelt, aber es fehlte noch 
der ersehnte Stall. Dieſen Uebelſtand monierte Lehrer Remlinger durch folgenden Brief an den Bürgermeiſter: 
„Da nun das Jahr bald zu Ende geht, und ich mich in der Lage befinde, wo man ſich befindet, wenn 
man kein Plaz hat, um Dieh, das einem mit zur Nahrung dienen ſoll, aufzuheben, ſo bitte ich Ew. Wohl- 
geboren, veranſtalten lajſſen zu wollen, d a m it w en i g ſten s u n d b a l d i g ſt d er Kühſſt all 
m ö g e f er tig ge m a < t w er d en; denn ohne Ku h, wiſſen Sie wohl, i ſt A r m u th in der 
U ü < e, m it h in au < 1 m . . . . ~.° 
Alte Saarbrücker Sekundaner-Allotrien. Der Sohn des ſehr ſchwerhörigen Profeſſors Ley war im Schuljahr 
1881/82 als Oberſekundaner im Saarbrücker Gymnaſium Schüler ſeines Daters und machte allen Unfug dor 
Klaſſe treulich mit, ohne je zum Derräter ſeiner Kameraden zu werden. Er war kein Spielverderber. Untce 
den „Kuswärtigen“ hatten wir einen Mitſchüler, der wegen ſeiner Körperlänge und ſeines Schnurrbärichens 
auffiel, Jakob Mohr, „Jacques“ genannt, ſchon zwanzigjährig. Er war ein guter Schüler, doch suchte er ſJich 
von häuslichen Schularbeiten, wenns ging, zu drücken, wie übrigens manche andern von uns auch. Einmal 
hatte Iacques einen Aufsatz, der in der Stunde von 9 bis 10 an einem Montag an Profesſor Len abgeliefert 
werden ſollte, erſt knapp zur Hälfte fertig. Don 8 bis 9 war Religion. Mohr also half ſich ſo, daß er unter 
dem Tiſch auf einer Atlas-Unterlage friſch und fröhlich in der Religionsſtunde die noch fehlenden mindestens 
vier Seiten ſeines Aufsatßes heimlich ~ und zwar , aus dem Handgelenk“ ins Reine – niederſchrieb, wobei ſuch 
leine gefälligen Bankvordermänner ſo setzten, daß die verpönte „„Nebenbeschäftiqung“ vom guten Pfarrer Ilſe 
nicht bemerkt wurde. Und was bekam Mohr als Zenſur? „Gut, wenn ohne fremde Hilfe!“ Die ,. fremde Hilfe" 
hatte aber lediglich in der „Rückendeckung“ der Dordermänner beſtanden, das Geiſtesſchmalz war Mohrs eigenes. 
Eines Montags früh blieb Pfarrer Ilſe, wohl durch Amtsgeschäfte abgehalten, lange aus, und die beiden 
räumlich vereinigten Sekundaklaſſen waren ohne Aufſicht. Plötzlich erhebt ſich Cey, unſers Klaſſenlehrers Soynr., 
ruft: „Silentium! Ich habe ein tiefgefühltes Gedicht zum Dortrag zu bringen.“ Wir waren begierig, zu 
bèren, was nun kommen würde. Ley jr. erhebt ſein Exemplar des ,Hilfsbuchs für den evgl. Religions- 
unterricht in Gymnaſien“ (Derfaſſer unser gelehrter Direktor W. A. Hollenberg) und ſpricht mit dröhnendem 
Pathos, ſalbungsvoller Stimme und verzücktem Kugenaufschlag folgende Worte: „Hocherfreulich iſt, was ich 
ebcr entdeckte. In mein Buch ſchrieb mir ein lieber Mitſchüler ohne mein Wiſſen ſoeben folgende liebens- 
würdige, von treuer Geſinnung und tiefer Empfindung zeugenden. eines begnadeten Dichters nicht unwür- 
digen Worte: 
An Seele rein und heilig ſsei, 
Mein lieber Freund, Du, Hermann Ley. 
Dies ruft Dir zu der Engel Chor 
Und auch von Herzen Iakob Mohr.“ 
Der brave Jacques hatte natürlich von der Sache keine Ahnung. Der ,„Dichter“ war Len jr. ſelbſt. Es god 
außer Gelächter einen ſcharfen Proteſt von ſeiten Mohrs, und eben ſollte eine Kleine, handgreifliche Kautz 
balgerei ausbrechen, als Pfarrer Ilſe die Tür öffnete und die Klaſſe milde ermahnte, doch nicht gleich ſo laut 
ju ſein, wenn er mal zufällig ſich habe verſpäten müſſen. Dr. M. 
De „ Schakenvetter Iakob“ onn de Deiwel. Aus Neunkirchen. Do hann die Leit emol omens ganz lang, wie ſo oft, 
vom Schinnerhannes, vom Deiwel un von Geſspenſter verzehlt. Am annern Morgen kommt der Schakevetter Iakob 
onn hat uns ſei D r a u m von der Nacht verzehlt: Denk eich, ich träumt, ich wär bei eich. Off emol bin ich 
heraus, no die Stern gugge, un wie ich wieder erenn komme, is der Adam weg. „„De Deiwel hat en grad geholt“, 
ſan die annern. „Was!“ ruf ich, „mir ſollt der emol komme.“ Un, wie ich das ſaan, da kommt er auch jchon 
owe von der Deck eronner aus der Luft mit ſeinen eeglich große Kralle und denne Perdstazze on will mich angeln. 
Ich hann ihm awwer off de Wammbe geträt, daß er ſechsmol in ber Luft Saldo geſchlaa es un hann enne am 
Hals gehol onn em faſcht kabutt gedrückt. Awwer plötzlich ſchreit mei Kathrin: „Ei, Ieſſes! Iäb, du machſcht 
mich jo dod! Loß mich am Hals gehn, ich ſtickk. Kerl, verfluchter, du haſcht jo die Bettlad kabutt geträt.“ 
.. 
Saarkalender 1928 11
	        

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