Full text: 1928 (0006)

J 
  
Schloſß;ibrand 1793 
Saarkalender Ilür das Jahr 1928 
  
  
Nach einem Gemälde von Dryander. 
Denkt daran! 
Laß uns von Jenen Stunden reden, 
Da unser Schickſal sich gewandt: 
Der Herbſt umſpann mit grauen Fäden 
Der Wälder farbentrunknen Brand; 
Zerriſſne Wolkenfetzen Jagten 
Am Himmel wie ein seiſterheer, 
Wie Weh Novemberftürme klagten 
Um Saarlands Schmerz so dumpf und schwer. 
Es blieb wie heut’ das Unversſöhnte, 
Das laut und leîſe uns umglitt: 
Auf den verftummten Straßen dröhnte 
Der fremden INarſchkolonnen Schritt. 
In Werkftatt und Kontore drangen 
Gestalten, die wir nie geschaut, 
Und fremde Worte überklangen 
Der Muttersprache ſüßen Laut. 
Erft wies man uns die Sauft von Eisen, 
Rein Strafgericht war scharf genug ; 
Doch dann erklang’'s wie Zauberweisen, 
Sirenenlied und Sinnentrug. 
Wir aber wußten, was Ihr wolltet, 
Wir hatten eurer 6unft nicht acht; 
Und ob ihr gold’'ne Münzen rolltet ~ 
Wir haben heimlich drob gelacht. 
Die Wochen, Monde, Jahre kreiften, 
Ihr habt befohlen und verfügt; 
Wir mußten euch Gehorsam leiften 
Und haben ftumm der Pflicht genügt. 
Doch einmal brach ein Glockentosen 
Durch Turmgemäuer und sebälk: 
Habt achtl Noch blühen unsre Kosen, 
Noch längft ift unser Reis nicht welk! 
Die ftolzen Slammenftöße lohten 
Im blassen Sonnwendabendſchein ; 
Wir dachten schweigend unsrer Toten 
Und schwuren ihnen treu zu sein. 
Des Sorſtes alte Eichenkronen, 
Sie rauſchten tief und wunderbar, 
Daß wir auf deutscher Erde wohnen, 
Auf deutscher Erde Immerdar. 
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