Full text: 1928 (0006)

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Saarkalender für das Jahr 1928 
  
Staunen die Manöver des Gemaltigen, 
cinige tippen bedeutungsvoll mit dem 
Finger an die Stirne, man hört lateinische 
Worte wie , Delirium tremens“. Matz geht 
aber zur Löſung des Rätſels in das Häus- 
chen aus Eisenblech, findet darin den Stock 
des Obersſteigers, hebt ihn auf und berührt 
zufällig dabei mit der Hand die Wand. 
Ein elektriſcher Schlag durchzuckt ihn und 
beweiſt ihm blitzartig den Lehrsatz von der 
§rictähigkeit des elektriſchen Stromes im 
Wasser. 
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„Griener Halat.‘f 
In den Jahren 1877 bis 79 beſuchte ich die „Parreſtunn“ bei Herrn Pfarrer D. in St. Iohann. Wir 
maren 10 vis 12 Gymngſiaſten und ,„„Gewerbſchüler“ und über 40 Dolksſchüler, ſelbſtredend recht verſchieden 
an Fieiß, Auſmerkſamkeit und Begabung; mal waren einige der höheren Schüler die ,„„Schlauen“, ein ander- 
mal wurden ſie durch eifrige Dolksſchüler beim Beantworten von Fragen in den Schatten geſtelt, wie's ſo 
triſft. Da kommt eines Tages aus dem pfarrherrlichen Munde die Frage, was für die Chriſtenheit der Grün- 
donnerstag für eine Bedeutung habe. Merkwürdiger Weiſe wußte Keiner der Konfirmanden eine Antwort. 
Mer gefragt wurde, ob Gymnajiaſt, ob Gewerbe- oder Dolksſchüler, jeder verbarg ſein Talent in verlegenem 
Schweigen. Pfarrer D. war entrüſtet ob ſolcher Unwissenheit. Daß der Gründonnerstag der Stiftungstag des 
Abendmahls ſei, wurde uns ſpäterhin dann ſehr eindringlich gelehrt, aber, wie geſagt, in jener Minute 
wußte das nicht einer von uns. 
„Also keiner, nicht ein einziger von Euch, auch von den ſonsſt Beſten nicht, kann die Frage beantworten?“ 
ſagte Pfarrer D. „„Ihr sollt Euch wegen Eurer Unwiſſenheit alle gründlich ſchämen!“ 
Wir ſchämten uns alſo prompt. 
Plötzlich erhebt sich erſt ſchüchtern, dann mit Energie der Zeigefinger an der hochgehobenen Hand eines 
lieben Mitkonfirmanden, der ſsonſt durchaus nicht durch allzu erhebliches Wiſſen jemals aufgefallen war, und 
der ich hier ~ in Wirklichkeit hieß er ganz anders – Müller nennen will. Freudeſtrahlend quckt der den 
„Herr Parre“ an. Letterer ſtutt erſt, dann entringen ſich dem Gehege seiner Zähne die von Staunen 
zeugenden Worte: , Alſo Du, Müller, gerade Du weißt die Antwort? Nun paßt mal auf, Ihr alle, der 
Müller wird Euch jetzt beſchämen, der hat wenigstens aufgepaßt, alſo, Müller, los, antworte!“ 
B ! der hier ſo benamſte Müller erhebt ſich, ö!fnet ſeinen Mund und beginnt in „feinerem“ Sanggehanner 
eutſch : 
„Där Kriendonnerſchdag feiern mir zum Aandenke –* 
„Paßt auf und merkt's Euch alle,“ unterbricht Pfarrer D., „gut, weiter, Müller, ſag's deutlich und 
laut, genier' Dich nicht!“ 
,. . . . feiern mir zum HAandenke, weil an dieſem Tag der Herr Ieſus mit ſeinen Iingere griener 
Salat aß.“ 
Erſt Totenſtille. 
Dann aber unbändiges Gelächter auf allen Bänken. Wir wälzien uns vor Dergnügen. Der Pfarrer 
aber, ſo ſchmählich in ſeinem Dertrauen und Dorſchußlob getäuſchi, ward rot vor Kerger, dann: Ein Sprung, 
ein Schlag, ein Knall, ein Schrei – Mit Müllers Weisheit war's vorbei! Er rieb ſich die Wange, der gute 
Müller, und ſicher gelobte er ſich in dieſer Minute, nie mehr klüger ſein zu wollen ais alle ſeine Mitkonfir- 
manden, die ihrerſeits noch wochenlang in der Erinnerung an dies wirklich ſchöne Erlebnis ſchwelgten. 
Begegnete ſpäter einer dem Müller und ſagte ſo dreckig-harmlos im Dorbeigehen: ,„Griener Salat“, dann 
gah's Püffe, bis die Zeit auch über dieſe Epiſode Gras wachſen ließ. 
Zur Erklärung der ſeltſamen Antwort Müllers muß ich bemerken, daß es früher im ganzen Saargebiet 
z!zewein Brauch war, am Gründonnerstag irgendein Grünzeug, Salat, Spinat, Winterkohl. vv.. auf den 
iſch zu bringen. r. w. M. 
Aus dem naturgeſchichtlichen Unterricht. Ein Lehrer aus D. ſchreibt: Ich spreche zu meinen Schülern 
über Nutzen und Schaden von Tieren in Wieſen und Gärten und verteidige den Maulwurf. R. ſoll wieder- 
holen, was ich geſagt, hat aber nichts behalten, nicht einmal den Namen des viel Verleumdeten. „Nun, 
von welchem Vieh iſt denn der Pelz, den deine Mutter trägt?“. –~ Antwort: „Dom Onkel Schorſch.“ 
Unverhoffte Auskunft. Die Frau iſt ſchwer erkrankt, der Arzt macht nach eingehender Unterſuchung ein 
ernſtes Gesicht. Der Gatte: „Sagen Sie mir die volle Wahrheit, Herr Doktor, ich bin auf alles gefaßt und will 
es ertragen.“ Der Arzt: „Sie wird wieder geſund!“ 
f Verfluchtes Volk! Kaum bist du frei, so brichst du dich in dir ſelbſt entzwei. 
: War nicht der Not, des Glücks genug ? Deutsch od. Teutsch-duwirst istkiug: :
	        
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