Full text: 5.1927 (0005)

Unerwartet große Widerſtandskraſt vermocht es, von diesem Gedanken befeelt, 
zu entwickeln. Wir wiſſen leider, daß er ſich nicht bis zum Schluß behauptet 
| het OL uglqrsls Energie der anderen Völker, geſtützt durch ihre Überzahl, 
Nber einen Gewinn hat der große Kampf doch gebracht: das Erwachen der 
unmuündigen Dölker zu nationaler Selbſtändigkeit, auch bei solchen, deren leidvolle 
Geſchichte ſie ſchon mit der Unterdrückung hatte abfinden laſſen. 
Türken, Ägypter, Inder, Chineſen und andere, ſa selbſt die ſchwarzen wollen 
sich von ihrem Joch befreien. 
Sie haben den Zwang und die Härte der Fremdherrſchaſt erkannt, aber auch 
ihre Schwäche, ſobald der Dille, ſie nicht zu erdulden, ſich feſtigt. 
Und da mutet man dem deutſchen Dolke, bewährt in ungezählten Siegen, zn, 
ich den Zwangsmaßregeln des Schmachfriedens von Verſailles zu unterwerfen 
und will es betrügen mit dem Phantom eines Dölkerbundes, in welchem man 
ihm eine Ausnahmeſtellung zuweiſt, da es weder über den Ertrag seiner Arbeit 
ſelbſt verfügen, noch ſich nach eigenem Ermeſſen die Wehrmacht halten darf, 
die es zum Schutz der nationalen Arbeit für nötig und im Derhältnis zu der- 
jenigen ſeiner Nachbarn angemeſſen hält. 
Menn die Welt nach Frieden verlangt, nachdem die Folgen des Weltkriegs 
überall hin ſich verbreitet haben, so darf es keine Unterdrückung des Willens 
zu ſtaatlicher Selbſtändigkeit geben. 
Deutſchland hat den gewaltigſten Kampf für seine Gleichberechtigung gekämpft, 
es hat wehrhaſt und wahrhaſt für eine wirkliche Freiheit gerungen und obwohl 
es Undank genug dafür geerntet hat, würde es mit Recht heißen 
„Deutſchland als Hefretier“ 
wenn wir uns dieſen Ruhm nicht verſcherzen durch die unwürdige Art, mit 
der wir ſelbſt am wenigsten Gebrauch machen von dem Recht, wofür wir ſtritten : 
dem Recht der Perſönlichkeit als Dolk und Staat, oder kurz geſagt „der Nation“. 
Freilich, nur das Volk verdient die Freiheit, das ſeine Ligenart hochſchätzt, dem 
die Erinnerungen an ſeine Ruhmestaten wert erſcheinen, den Nachkommen als 
Dorbild zu dienen, und das in ſelbſtbewußtem Stolz keine Knechtſchaft dulden 
will. Darum, du teures Saarland, gib dem deutſchen Daterland weiterhin das 
Heiſpiel unerſchrockener und unbengſamer Standhaftigkeit in nationaler Treuo. 
Die Enlſchloſſenheit des Mutigen reißt die Schwachen mit ſich fort. 
Weimar, im Juli 1926.
	        

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