Full text: 5.1927 (0005)

Saarkalender für das Jahr 1927. 
derselben Straße lag die Wirtschaft zum weißen Roß, die 1522 erwähnt wird, und die - 
Ratswirtſchaft. Ein altes Wirtshaus war auch das Haus zum Kirſchbaum in der Hinter- 
gasse. In der Neugaſsſe lag das Haus zum Stiefel, das ſchon am Ende des 16. Jahr- 
hunderts vorkommt. Um das Jahr 1620 kamen noch hinzu die Gaſthäuſer „zum Pflug“ 
(vor der Marktpforte), zum Rindsfuß, zum wilden Mann, zum weißen Lowen und zum 
Rappen (die beiden letzteren im Tal) und zum Hirſch. Wir finden, daß nicht nur Metzger 
und Bäcker, sondern auch Schneider, Sattler, Uhrmacher und andere Handwerker ſich 
um die Konzession bewarben. In St. Johann bestand 1599 die Wirtschaft zum Ochsen 
und später das Gasthaus zum Bären u. a. 1731 gab es in Saarbrücken 10 und in 
St. Johann 6 Schildwirtsſchaften. Um das Jahr 1750 bestand in der Schloßinsel das 
Wirtshaus zum grünen Baum, am Hahn der Adler und Prinz Nossau, am Ausgang der 
Altneugasse in die Schloßſtraße die weiße Taube. Die Herberge zum Pflug war 1628 
ſtädtiſcher Beſißt und wurde um 15 fl. verpachtete. Die anderen Wirtschaften wurden 
gewöhnlich auf die Dauer von 6 Jahren vergeben; für die Neubewilligung mußten jedes- 
mal 4 Maß Wein begahlt werden. 
Die Bi erb r au erei finden wir zuerſt im 15. Jahrhundert erwähnt. In der Türken- 
ſchatzung von 1542 wird der Biermacher Wilhelm in Saarbrücken erwähnt, der 3 fl. 
Steuer zahlte und somit ein gutes Geschäft hatte; in St. Johann gab es damals noch 
keinen Bierbrauer. Graf Philipp UI. (15741602) war ein Liebhaber des Gerſtensaftes, 
wovon auch sein rundes Gesicht Zeugnis ablegt; er schrieb einmal in einem Briefe, daß 
in Saarbrücken wegen der Hitze kein Bier gebraut werden könne, und erbat ſich ein 
Fäßlein von Weilburg. Die Stadtbehörde übte die Aufsicht auch über das Bierbrauen, 
erhob das Umgeld und setzte die Taxe feſt. 1589 verordnete das Stadtgericht, die Wirte 
ſollten kein Bier verſchenken, das unter 14 Tage alt sei. Die Auftuer ſollten das 
Bier nach dem Werte ſchätzen; nötigenfalls sollte das Gericht selbſt verſuchen und 
entscheiden. 1596 gab es drei Biermacher in den Städten, einen in St. Johann und 
zwei in Saarbrücken, von denen der eine ſchon den in dieſem Gewerbe vielvertretenen 
Namen Jakob führte. Dieſe wurden jeder mit 4 Maß Wein bestraft, weil sie das Bier 
zu teuer verſchenkt hatten. Zwei Jahre später wurden die Biermacher beider Städte 
wegen „unnützen“ Bieres verklagt. Das Stadtgericht entschied, daß nichts davon ver- 
kauft werden dürfe, und daß jeder Bierbrauer den Armen ein Ohm Bier oder deren 
Wert geben solle, herrſchaftliche und Gerichtsſtrafe vorbehalten. 1601 hatten die ein- 
geſeſsſenen Biermacher bereits über auswärtigen Wettbewerb zu klagen. Fremde Bier- 
macher von Forbach und St. Arnual verkauften ihr Bier im großen in die Städte, 
das von den Käufern über die Gasse verſchenkt werde, „dadurch sie veracht würden 
und ihr Handwerk nicht treiben könnten“. Darauf tat das Stadtgericht den weisen 
Spruch: „Wofern die eingeseſſenen Biermacher ſich befleißigen, daß ihr Bier im Verſuch 
besser denn das der ausländiſchen Macher befunden, sollen sie vor den Fremden erhalten, 
die übrigen aber abgeschafft werden.“ 
Der Bierverbrauch nahm in der Folge stetig zu. Um 1625 gab es bereits vier 
Biermacher in Saarbrücken, von denen zwei im Tal, einer vor der Marktpforte und 
einer in der RNeugaſſe wohnte, und 1658 wollten sie eine Zunft bilden. Freilich hörten 
auch die Klagen über ſchlechtes Bier nicht auf, und das Stadtgericht griff wohl zu dem 
energiſchen Mittel, das Bier ausſchütten zu laſſen. Die Maß Bier (1 Liter) kostete 1679 
einen Batzen oder 4 Kreuzer (16 Pfennige), im folgenden Jahre 18 Pfennige, 1681 die 
Maß gutes Bier 5 Kreuzer, 1685 wieder nur 2 Petermännchen (Trierer Münze = U Pfg.), 
im folgenden Jahre 2 Albus = 4 Kreuzer, 1687 nur 3 Kreuzer. Als im nächſten Jahre 
die Gerſte im Preiſe stieg, wurde den Biermachern erlaubt, für die Maß 4 Kreuzer zu 
nehmen, doch nur unler der Bedingung, daß ,sie gut und tüchtig Bier machen“. 1688 
wurde Anton Fürmond in St. Johann um 5 Franken gestraft, weil. er sein Bier für 
einen Batzen verkauft hatte, obwohl es für 12 Pfennige aufgetan worden war. 1715 
wurde den Bierwirten verboten, Obſtwein zu verzapfen. Als Umgeld wurde vom Bier 
die zwölfte Maß oder deren Wert entrichtet; dazu kam das sogenannte Pfenniggeld, 
welches 3 Albus von der kleinen Ohm betrug. Die Viſsitatoren erhielten von der Maß 
Bier "/s Pfennig als Gebühr. Die Braukesſſel mußten geeicht sein, doch wurde die achte 
Ohm als Abgang verwilligt. In der Fürstenzeit wurde eine herrsſchafiliche Bierbrauerei 
nebſt Bierwirtſchafl im Tal betrieben; auch in der Kohlwoge bei St. Johann befand ſich 
ein srſſ§oitliches Wirtshaus. Diese brauchten zum Aerger der Bürger kein Umgeld 
zu bezahlen. 
  
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