Full text: 1927 (0005)

12. 
. November: 
. November: 
. November: 
. November: Der deutſche ,, Metallarbeiter“, 
. November: 
Saarkalender für das Jahr 1927. 
Praktiken der franzöſiſchen Berg- 
werksdirektion. Die Bewohner von Schnappach, 
die durch Grubenraubbau ihre Häuſer verloren 
haben, mußten sich zur Klage gegen das haftbare 
Bergamt entſchliezſen. Mitte April 1925 wurde 
die Klage anhängig gemacht, der erſte Termin 
auf den 30. Oktober anberaumt. Trotz der 
langen Zeit ließzen am Vortage des Termins die 
Franzoſen erklären, daß ſie noch einen Schriftſatz 
einreichen möchten, die Sitzung daher verſchoben 
werden müſſe. Unerhört! 
Vor der Strafkammer Saarlouis 
wurde in einer Klage des Saarbrücker Bürger- 
meiſters, Dr. Neikes, gegen die Weſtpropaganda- 
Zeitung , Saarlouiſer Iournal“ der Französling 
Miniſterialdirektor Notton wiederum bloßgeſtellt 
als Drahtzieher des ,,kirchlichen und politiſchen 
Separatismus®“. 
Beim Merlenbacher Grubenunglück 
verſprach Miniſterpräſident Herriot als erſte Hilfe 
Frankreichs 150 000 Fr. für die Hinterbliebenen 
der Opfer. Trotz mehrfacher Erinnerung und 
Bitten iſt bis heute kein Centime eingetroffen. 
. November. Der Bürgermeiſter der Stadt Saar- 
brücken, Dr. Neikes, veröffentlicht eine umfang- 
reiche Niederſchrift über die Umſtände, welche ihn 
im Jahre 1919 in das Saargebiet führten. Die 
Darlegungen beweiſen, wie haltlos die Unter- 
ſtellungen geweſen ſind, welche von der ſeparatiſti- 
ſchen Preſſe des Saargebietes zur Bekämpfung des 
Bürgermeiſters vorgebracht worden waren. 
bas 
Organ der chr.,...ichen Metallarbeiterverbände 
Deutſchlands, beſprach in einem längeren Artikel 
die ernſten Gefahren, welche für das Saargebiet 
durch den augenblicklich tobenden parleipoliliſchen 
Kampf entſtanden ſind, und mahnt zur Einigkeit. 
. November: Im ganzen Sulzbachtal Bergarbeiter- 
Derſammlungen. Bittere Klage über elende 
Löhnung und ſchlechte Behandlung. Ueberall An- 
nahme einer Entſchließsung, in der Uebergang zu 
wertbeſtändiger Entlehnung und beſſere Behand- 
lung dringend gefordert wird. 
November: Aus Hühnerfeld wird gemeldet: Durch 
allzugroße Ausbeutung der zu Tage führenden 
Kohlenflöze erfolgte in der Brefelderſtraße eine 
Senkung, deren Tiefe 7 Meter beträgt. 
Die Wirtſchaftslagſe im Saargebiet 
wird mit jedem Tage düſterer. Auch im Bau- 
und Holzgewerbe macht ſich dies, wie in allen 
Wirtſchaftszweigen, bemerkbar. Nach einem 
Streikausbruch bei den Bautiſchlern erklärt der 
Arbeitgeberverband für das Baugewerbe in der 
Preſſe, falls der Teilſtreik des Deutſchen Holz- 
arbeiter-Derbandes nicht zurückgenommen werde, 
erfolzſe am 19. November die Aussperrung im 
ſaarländiſchen Baugewerbe in allen Fachgruppen. 
. November: Die Gemeinde Rentriſch hat den im 
Weltkrieg Gefallenen des Ortes ein würdiges 
Denkmal errichtet. ; 
. November: Linksſtehende Kreiſe des Saargebietes 
veröffentlichen in der Preſſe einen Aufruf zur 
üiſoung des Reichsbanners ſchwarz-rot-gold im 
14. 
. November: 
November: In Saarbrücken veranſtaltet der Der- 
kehrsverein einige Werbeflugtage, welche die Be- 
völkerung mit der Sicherheit des modernen Flug- 
wesens vertraut machen ſollen und als UAuſftakt 
zur künftigen Einbeziehung Saarbrückens in das 
internationale Flugliniennetz gedacht ſind. 
. November: Die 12. Dollverſammlung der Hand- 
werkskammer weiſt auf den ſchweren wirtjchaft- 
lichen Druck und Uueoergang des Saargebiets hin. 
„Die KRegierungsaommiſsſion ergreift dagegen 
nichts, was ſie tut, iſt gegen uns gerichtet.“ 
„Iur eine großzügige, auf das Woh. der 
Gesſamtbevölkerung gerichtete Wirtſchaftspolitik 
im Einvernehmen mit den Berufskreiſen kann 
die Lage mildern.“ Unter allgemeiner Zu- 
ſtimmung wird der VWliiederanſchhujß an das 
deutſche Wirtſchaftsgebiet gefordert. 
. November: Die Chriſtianen-Anſtalt in St. Iohann 
kann heute ihr T75jähriges Beſtehen feiern. Nach 
einem Aufruf von Louis Roll’ konnte 1849 mit 
einem Betrag von 197 Talern 18 Groſchen die 
Kleinkinder - Bewahranſtalt eröffnet werden. 
Zimmermeiſter Schmidt und ſeine Frau Chriſtiane 
überließhen ihr ganzes Anweſen für 1500 Taler 
mit der Bedingung, dem ſozialen Unternehmen 
den Namen Chriſtianenanſtalt zu geben. 
. November: Der Landesrat nimmt zu dem Der- 
trag von Locarno Stellung. Die allgemeine Aus- 
ſprache wird von den Parteien dazu benutt, um 
einſtimmig die Rückkehr des Saargebietes zum 
deutſchen Daterlande zu fordern. Diese bedeut- 
ſame Kundgebung fand bei der geſamten Be- 
völkerung lebhaften Widerhall. Gefordert wird 
noch u. a. die Wiedereinführung der Markt- 
währung, ferner die Rückkehr der in der franzö- 
ſiſchen Armee als Frembenlegionäre feſtgehaltenen 
„Saar-Einwohner“. Sodann kommt noch zur 
Sprache die Haltung Frantkreichs gegenüber den 
ſaarländiſchen Eiſenbahnlinien Merzig~Betzdorf, 
Dillingen~Buſendorf und Bous ~DVölklingen~hHar- 
garten. Gefordert wird, daß ſämtliche, im Saar- 
gebiet liegenden Strecken und Einrichtungen der 
ehemals elſaß-lothringiſchen Reichs-Eiſenbahnen 
dem Netz des Saargebiets angegliedert werden, 
Schadenerſaß und Uebernahme ſämtlicher Ange- 
ſtellten durch die Derwaltung der Saarbahnen. 
. November: Auf Grube Hirſchbach werden junge 
Bergarbeiter entlaſſen, weil ſie auf dem Heimweg 
deutſche Lieder geſungen haben. 
Die Zollſcherereien an der Grenze nehmen kein 
Ende. Die franzöſiſchen Zöllner verlangen ſogar 
im deutschen Saargebiet, daß man mit ihnen 
franzöſiſch ſpreche. Im Vertrag zu Versailles ift 
den Saarländern der Gebrauch ihrer Mutter- 
ſprache zugeſichert. 
In dem Gerwertſchaftsblatt ,,Le 
peuple“ sezt Uhry seine Enthüllungen über das 
Saargebiet fort. „Statt im allgemeinen Intereſſe 
zu arbeiten, haben die, die wir zu unserem Un- 
glück nach dem Saargebiet entſandten, besonders 
daran gedacht, mitzuverdienen (à prokiter avec “ 
. . . Dieles bedeutet einen wirklichen Skan- 
dal . . . .“ „Die wachsende Unzufriedenheit in der 
Bevölkerung, und besonders unter den Bergarbei- 
tern, mußte uns alle Sympathien verderben.“ 
„Der Minister des Aeußern müßte bald prüfen, 
  
158 
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.