Full text: 1927 (0005)

Saarkalender für das Jahr 1927. 
  
fahrers, uns dem Hafen zu nähern. Kein Licht auf unſerer Seite, alles dunkel, so 
steuerten wir unbemerkt vorwärts und erreichten auch völlig ungehindert einen Punktt, 
von dem aus wir die Lichter der Stadt klar vor uns auſleuchten sahen, ebenso riesen- 
hafte Deltanks. Dann sandien wir als Willkomm unsere krachenden Geſchosſse auf die 
sofort brenuenden Oellager wie in die ausgelaſſene Freude. Der Abschied bestand 
ebenfalls in einer Kanonade, und verſchwunden war, wie er gekommen, der Stören- 
fried im Dunkel der Nacht. Zuerſt nordwärts, um die Verfolgung irrezuführen, sodann 
Kurs nach Süden Wir hörten von engliſchen Artilleriſten, die sſpäter unsere Wache 
in Colombo bildeten, daß dieſe höchſt unwillkommene Auſwartung und unser nächtlicher 
Gruß einen dem Wahnsinn nahen Wirrwarr in der kurz vorher noch jubelnden 
Hevslkerung gusgelóſt habe. In wilder Flucht stürmte sie jammernd durch die Straßen 
und suchte sich zu retten. f 
Der J„n.eutrale“ Italiener. 
Einmal hatten wir wieder mehrere Dampfer gefangen, die uns mit Mannſchaft und 
Passagieren einen Zuwachs von 400 Personen brachten, als ein italieniſcher Dampfer 
austauchte. Ter Schiawiener war damals noch neutral, wohl verräterisch gesinnt, aber 
er hatte den Vcrra1 noch nicht zur Tat werden laſſen. Der Kapitän wurde gezwungen, 
die Fahrt zu unterbrechen, bis die Revision und Vernichtung der aufgebrachten Dampfer 
erfolgen konnte. Unser Kommandant erſuchte inzwischen den Macaroni, die 400 Mann 
an Bord zu nehmen und heimzuführen. Er weigerte sich, ſprach viel von unbedingter 
Neutralität, die er beobachten müsse und war ſelbſt für gutes Geld nicht zu bewegen, 
dem Wunſche Folge zu leiſten. Nach dem Versenken der Priſen durfte der „Neutrale“ 
weilterdampfen, wir aber auch, denn alle hatten die Ueberzeugung, daß der Kerl uns 
sofort verraten würde. Wir merkten auch, wie er darauflos funkte, sobald er ſich 
" vor uns sicher fühlte. In Wirklichkeit neutral benahmen ſsich stets die Holländer. 
Der Ueberfall im Hafen von Penang. 
Unser „Beſuch“ im Hafen von Penang (Hinterindien) war von außerordentlichem 
Glüciz begleitet. Wir hatten die „Emden“ als Kriegsschiff völlig unkenntlich gemacht 
und erſchienen sogar mit 4 Schornsteinen, um jeden auftauchenden Verdacht von uns 
abzulenken. Die „Emden“ führte nur 8, die Engländer 4 Schornsteine. Der schmale 
Zugang zum eigentlichen Hafen konnte von dem so harmlos daherkommenden Meeres- 
wanderer trotz Wachtſchiff ungehindert passiert werden. Auf der Reede selbſt fanden wir 
den ruſſiſchen Gürtelpanzerkreuzer „Schemtſschug“, den wir in der Morgendämmerung 
üherraſchtene. Die Mannſchaft ſchlief noch. Wir glaubten die Verpflichtung zu haben, 
sie im liebenswürtiger Weiſe zu wecken, um den Flaggengruß auszutauschen und 
sandten dem „Ruſſen“ ein Torpedo in den Leib. Mehrere wohlgezielte Breitseiten 
folgien, die gewallige Zerstörungen und auch Brände verursachten. Noch bevor 
„Schemtschug“ feuern konnte, sauſten wir noch einmal an ihm vorüber, um einen 
zweiten Torpedo anzubringen, der in wenigen Minuten don Gürtelpanzerkreuzer in den 
Wellen verschwinden ließ. Gleich darauf gerieten wir mit dem französischen Torpedo- 
bootzerſtörer „Mousquet“, der auf den Donner der Geschütze herbeigeeilt war, in leb- 
haften Kamps. An Treffsicherheit waren wir aber unseren Feinden weit voraus, und 
fo wurde das Gesſecht troß tapferer Gegenwehr zu unseren Gunsten entschieden. Russe 
und Franzoſe wurden zum Sinken gebracht und die ins Waſſer gestürzte Mannschaft 
des „Mousquel“ auf Befehl unseres Kommandanten von uns mit eigener Lebensgefahr 
gerettet. Die kameradſchaftliche Aufnahme an Bord wir gaben den Ermatteten von 
unseren Lebensmitteln und ſchenkten ihnen Zigaretten ~ öffneten allen Herz und 
Mund. Sie zeigten sich völlig überraſcht von dem menſchlichen Sinn der deutſchen 
Besatzung und erzähiten, welche Lügengebilde ihnen die Offiziere von den Deutſchen 
aufgetischt halten , Alle Deutschen werden wir an dem Malte baumeln lassen, sobald 
wir sie haben,“ erklärte danach oft genug der französiſche Kommandant. Er muß 
übrigens ein tapferer Seemann gewesen sein, denn ubereinſtimmend sagten unsere Gäſte 
aus, ihr Kommandant habe sich, als er sein Unglück wahrnahm, an einem Schiffsteil 
fesſtbinden laſien, um mit dem „Mousquet“ unterzugehen. Das Entgegenkommen unserer- 
seits wurde so dankbar anerkannt, daß sich die Leute beim Abschied von unserem 
  
. UH1
	        
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