Full text: 5.1927 (0005)

Saarkalender für das Iahr 1927. 
  
Der Bt. Fohanner und BGnarbrücker Bannbegang. 
Von Prof. Dr. h. c. Ruppersberg. 
In diesem Jahr ist zum ersten Male seit 
langer Zeit wieder ein Bannbegang in 
St. Johann veranstaltet worden. 
Dieser Bannbegang wurde früher all- 
jährlieih von der Bürgerſchaft vorge- 
nommen. Ueber den Bannbegang vom 
Jahre 1608 besitzen wir noch ein avsführ- 
liches Protokoll, das hier folgen mag: 
„Zu wissen und kund seie hiermit, daß 
heut Donnerstags den zwölften Monats- 
tag May, als man zählte nach Chriſti 
unseres einigen Erlösers und Seligmachers 
Geburt Ein Tauſend Sechshundert und 
acht Jahr, die Ehrengeacht weiſe und vor- 
nehme Hermann Blaßbach Bürgermeiſter 
zur Zeit allhier, Herr Veit Klein und Herr 
Joh. Müller, sodann Herr Johann Weiß, 
Gerichtsſchöffen, wie auch Herr Kaſpar 
Taixon und Jakob Spanier, der Stadt 
Zugeber, auch Jakob Burg von Hagenau, 
zur Zeit geſchworener und verordneter 
Stadt- und Gerichtsſchreiber allhier in 
ganzer bürgerlicher Versſammblong tragen- 
den Ampt und Diensts wegen requirirt 
und bittlich angelangt. : 
Demnach von unerdentklichen Jaren bey 
ihnen biß dahero in Uebung und Gebrauch 
gewefen, wie noch alle Jar ſfsonderlich 
Donnerstags vor und nach den heiligen 
Pfingsten, gemeine bürgerliche Sammen- 
kunft zu halten, zu vernehmen, ob der 
herprachten Gewohnheit zuwider an 
Wälder, Heinwegen oder sonsten irgend 
einem Ort ichtwaß mangelhafts sich zu- 
getragen und begeben, daß man daßſelbig 
vorbringen, die Gebür dargegen vor- 
nehmen und dieselbige Mängel begehen 
und beſsichtizſen wollte, haben gemein 
Burgersſchaft auß volgenden Ursachen dieses 
bis zum volgenden undt nechſten Donners- 
tag ufgehoben undt itzmalen an mich ge- 
 ſunnen und dbegert, dieweil der Stadt 
Bann und Gemarken in etlich wenig 
Jahren nit allerdings begangen worden, so 
doch unsre lieben Vorfahren auß wohl- 
bedachtem Eifer und Gemüt alle Jahrs die 
Ankommende anzuführen in Gewohnheit 
gehabt und dann, inmittelst sich bei Herbſt- 
zeiten, wann die A\Arichel- oder Aecker- 
nießungs-Hütung im Umgebot die Burger 
betroffen, ihrer viel sich entſchuldiget, daß 
ihnen die Gräntz und Bannſchiedung eines 
Teils gar nit und andern Teils allerdings 
nit eigentlich bewußt und kundig, defß- 
wegen die Stadt mit ihrem Maſtvieh der 
Schwein nit wenig Verkürzung verspürt, 
die Benachpurte aber teils ohne Scheu 
wider alle billigkeit früe und spat uff uns 
gefahren undt, was der liebe Gott uns be- 
ſcheert, wir deſſen von andren auß unser 
Unachtſamkeit beraubt worden, deren- 
wegen vor gantz ratſam, auch hochnötig be- 
fonden diesen Gang vor allen Dingen vor- 
ur. P {7.10 hr _ rwittas ours 
Da denn Herrn Gericht, Zugeber und 
Elteſte ihrer gethaner Pflicht, und waß 
desfalls mir Stadtſchreibern alß verpflich- 
ten obliegt, ich sie vor ganzem Umbſtandt 
getreu und vleißig ermahnt, dieses vorzu- 
nehmen also dahin anzuſtellen, und zu 
richten, daß die junge Burger, denen dieses 
Geschäft unbewußt, und ich mit ihnen nicht 
verführet, sondern sollen die eltiſte und 
Jenige, so mehrmals diesen Gang ver- 
richtet, bei Verluſt ihrer Seligkeit uns also 
anweiſen und führen, daß wir und unsere 
Posterität mit gutem Gewissen darben vor 
Gott, der Obrigkeit und Menniglichen, so 
deswegen interessirt, geruhiglich und be- 
ständig bleiben mögten. 
Darauf Gericht, sonderlichen Herr Veit 
Klein neben den Eltern dieſes Werk vor- 
gehaltener Maßen gzu vollbringen im 
Namen Gottes angefangen. – Seindt also 
zur untern Pforte hinaus die Malſtatter 
Straß zu gegangen und den Fußpfad zum 
Koelrech ') zu genommen, da man dann 
gegen dem Helmſtettiſchen Felde uff der 
Sar, ungefähr 37 Schritt weit vom Wasser, 
einen Stein im Feld gefunden, da man 
den Anfang gemacht. Von dieſem Stein ist 
man zur Straße zu, ſtraks am Helmſtetter 
Buel ?) oder Feld, jenſeits der Malſstätter 
Straß gelegen, zur Rhein-Straß s) zu- * 
gegangen, zwischen Helmſtätter und 
Reiſenfelod an die Rheinstraße kommen 
und dersſelbigen Straß, so zur Sitters zu 
geht, vorgenommen. 
Sodann wird der Marſch eingehend be- 
ſchrieben, es tauchen dabei folgende Be- 
zeichnungen auf: Grabel-Wald, Sitters- 
wald, Petersbrunnen, Ellernbornfloß, 
Hochſtraß, Rodtbuſch, Pefeiffers-Stein, 
Wolfshymbs, Himmelwiesen, Pfeiffershof- 
statt, im Sand, Dörrwieſen, im Seifen 
  
1) Am Saarufer, wo die Steinkohlen ab- 
geladen, gewogen und verſchifft wurden, die 
heutige Kohlwage (Bergfaktorei). 
?) unten am heutigen Bahnhof. 
3) Die Grülings- oder Römerstraße. 
  
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