Full text: 4.1926 (0004)

trachtet. Man nennt dort diese Grenzlande ,„marckes de l'Est’ (Ostmarken) und 
zählt kulturell auch die Westschweiz dazu, ebenso Luxemburg und die Wallonen, 
und schon lange vor dem Weltkrieg Elsaß und Lothringen. Indem man diese 
Länder zunäckst kulturell zu durchdringen versucht, ist man bemülkt, den fran- 
zösischen Gedanken überhaupt vorzutragen und auck auf die politische Staats- 
bildung zu erweitern. Unser deutscher Rhein ist das Ziel. Jeder deutsche 
Dolitiker muß sich diesen französischen Kerngedanken einprägen. Insofern ist 
Frankreich eine stete europäische Gefahr. Denn diese Reibungsflächen am 
Rheine sind nickt zu vermeiden, und es ist sehr fraglich, ob mit einem sogenannten 
Zwischenreich die Reibung vermieden würde. 
Unter solchen SJesichtspunkten ist die Haltung der Saarländer von vor- 
bildlicher Bedeutung. Die NRugen der Welt, nicht nur Deutschlands, ruhen 
auf Euch, Ihr stammverwandten Saarländer, Ihr Nachbarn Elsaß -Lotkringens ! 
Mehrfach habt Ikr Euch im Laufe der Geschichte klar und mutvoll zu Deutsch- 
land bekannt, zuletzt in jener denkwürdigen Kundgebung im Dezember 1918. 
Nuskhalten! Das ist die Losung. NRushalten und treubleiben! Das sind Kräfte 
des nationalen Charakters. So könnt Ikr ein Vorbild sein für das zerrissene 
Deutschland. Denn was möchte man dem ganzen deutschen Volke mehr ins 
Geblüt wünschen als nationalen Eharakter?! 
Gerade unsere Orenz-Gaue, die zum Wachksein gezwungen sind, haben darin 
eine Nufgabe ersten Ranges. Jede einzelne Dersönlichkeit voll Charakter und 
Würde kann durch ikr bewußtes Deutschsein zur Stärkung des Deutschtums 
beitragen. Es bedarf dazu keiner lauten oder praklerischen Worte, noch weniger 
irgend welcher Hetze, nur des festen Charakters, der weiß, was er will, und 
weiſß, wohin er gehört. 
Mir deutsckhgesinnten Elsässer Hatten in den letzten Jahren ganz besonders 
viel Ditterkeit zu verarbeiten; denn jenes Deutschland am Rhein ist uns verloren; 
und viele von uns, die wir dort seit Jahrhunderten eingewurzelt waren, sind 
Heimatlos. Doch unbitter, auf Deutschlands Zukunft vertrauend, grüßen wir die 
Brüder an der Saar mit der aus tiefsten Herzen kommenden Bitte: bleibt 
fest, bleibt treu, bleibt deutsch bis ins Markl! 
Tru Trt 
/ 
Weimar, den 9. April 1925. 
  
  
 
	        

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