Full text: 4.1926 (0004)

  
  
Saarkalender für das Jahr 1926 
  
Anſtellungsurkunde des Dölklinger Pfarrers i. F. 1531 
von H. P. Buchleitner. 
Mit der Stellungnahme des Kaiſers Karl V. auf dem erſten Reichstag zu Worms 
(1521) in der Frage der Reformation (Aechtung Luthers, Verbrennung seiner Schriften 
und Verbot der Neuerung) war des Saarbrücker Grafen Ludwig, eines treuen Anhängers 
des Kaiſerhauſes und der alten Kirche, Verhalten entschieden. So blieb infolge der Streng- 
qgläubigkeit Johann Ludwigs (1472-1545) das Saarbrücker Land von der neuen Lehre 
zunächst unberührt. Entsprechend der Mahnung des deutschen Kaiſers Karl V., die letzterer 
am 23. März 152 erlassen hatte, „bei dem alten Glauben zu beharren und zur Vertilgung 
der Ketzeriſchen Lehre beizutragen“, entsprechend seiner religiösen Gesinnung, sorgte der 
Landesherr in jeder Hinsicht für die Bedürfnisse seiner Untertanen. Auch war er beſtrebt, 
Mißbräuche abzuſchaffen, wie er auch 1528 infolge der Beſchlüsſſe des Regensburger Kon- 
ventes die Zahl der Feiertage „zu Nutz des gemeinen Mannes“ auf 28 verringerte. Scharfe 
Anordnungen über den Beſuch und äußere Ordnung des Gottesdienſtes traf er, wie er 
auch im allgemeinen für die kirchlichen Bedürfnisse der Grafschaft väterlich im alten Sinne 
sorgte. Hiervon geben uns verſchiedene Forderungen des Grafen Kenntnis, die er von 
den Pfarrern bei der Besetzung neuer Pfarrerſtellen verlangte, ebenſo an diejenigen 
richtete, die Priester werden wollten. So mußten bei der Uebertragung von Pfarrſtellen 
(sofern der Graf hier Collator war) die Geiſtlichen ein „B e k en n t n i s“ ausstellen, wie 
uns dieses von verſchiedenen Orten bekannt iſt. „De s Pfarrers zu Fölklingen 
Präſ ent ati on“ aus dem Jahre 1531 lautete: 
„Wir Johann Ludwig. Graf zu Nassau und Saarbrücken uſw. . . . thun kundt und 
bekennen: Nachdem weiland Her Ja c ob von Li esch dorf Kirchherr zu Fölklingen 
dem Got gnad, nechſt verſchienen als letzter Besitzer und Innhaber der Pf ar rk ir ch z u 
Fölklin gen und Capelle zu Geislautern mit tod abgangen und verschieden, 
deshalb uns dann die benannt Pfarrkirch und Capelle, als dem rechten Colatori von 
unserer Grafschaft Sarbruck wegen uff craft jms patronatus ledig worden, heimgefallen 
und zugeſtorben iſt Das wir dem Erſamen Hern Jo h ann v on Tillingen , Priester, 
Trierer Bistumbs, umb Gols, auch sin und siner guten Fründ, fliker und demutiger Bit 
willen selbich bemelt Pfarrkirch und Capelle gegeben haben. Geben ihme die und preſsen- 
tieren ihn daruff und dahin inn und mit craft des Briefs inn der beſten Form und Maß, 
wie sich das gepürt. 
Doch das derſelbig Herr Johann ſelbig abgemelt Pfarrkirch und Capelle wie ſich ge- 
ziemt by irer Gerechtigkeit, Herrlichkeit und zu gehöre soviel in das angeht, nach seinem 
beſten Vermög handthaben, halten und darüber nit driben soll. Mit glücklich Bitt, den- 
selbigen herufsî zu Investiren ihnen innzuſetzen und dazu komen zu lassen, inn Maß ſsich 
das ferner zu thun eiget und erheiſcht, alles ungeverlich. Des zu Urkundt haben Wir 
unſer Secret Siegel heruf trucken und geben lassen, uff Dinstag nach dem Sontag Trini- 
. tatis anno . ... . 1531. 
Auf dieſe Anstellungsurkunde hin mußte der neue Pfarrer ein „Bekenntnis“ aus- 
ſtellen, in dem einerseits das Beſetzungsrecht des Grafen anerkannt, andererseits keinerlei 
Ahsnderang des Gottesdienstes versſprochen werden mußte. Dieses Bekenntnis vom Jahre 
„Jch Johannes von Tillingen, Priester Trierer Bistumbs, thun Kund und Bekennen 
mit dieſem Brief meiner eigenen Handſchrift gegen aller menglich. Nach dem und als der 
Wolgeborene Herr, Herr Johann Ludwig Grav zu Nassau und zu Saarbrücken mein 
unediger Her mich umb min und miner guter Frind demutigen und fleiſiger bet und 
umb Golts willen mit der Pfarrkirche zu Folklingen und der Capele zu Geißlautern 
in Trierer Biſchtumbs gelegen, begabt versehen und darauf presentirt hat, da gereden 
und geloben ich miner Priesterlichen Würd, hechſten Treuwen und globen in eins rechten 
Eyds statt, solich Pfarkirch und Capelle nit gu permutieren, zu übergeben durch keinerley 
Gewalt Päbſtlicher oder weltlicher Oberkeit one Wissen und Verwilligung vorgemelten 
meins gnedigen Herrn ~ Sondern selbs Residenz daruf zu thun, die versehen und meinem 
Vermögen by irer Gerechtigkeit zu behalten und zu handhaben wie sichs gepürt. 
Und wer es . ... ., das ich nit selbs Residenz daruff thun wollt, soll ich seinen 
Genaden die, als dem rechten Collator wider zu Handen ſtellen, und übergeben. Jel soll 
auch alle Wochen in gemelter Pfarrkirchen zu Folklingen zwo Messen thun und in der 
  
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